60 Jahre Besatzung Palästinas: Bericht vom Frankfurter Römerberg
"Israel HÖRE !" - mit dem Vortrag dieses Gedichtes von Erich Fried von 1967 gegen den "6-Tage"-Blitzkrieg und die gesamte Besetzung Palästinas begann in Rufweite der Paulskirche auf dem Frankfurter Römerberg die Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der NAKBA, der terroristischen Vertreibung der Palästinenser aus ihrem Land.
Dabei sorgte die Stimmgewalt des Rezitators dafür, dass die Texte auch bis an die Tür der Paulskirche zu hören waren, wo sich eine illustre Menge der HautVolée, der ordentlichen Rassisten zum steuerfinanzierten Befeiern und Befressen der Ausgeburtsstunde eines Besatzungsregimes versammelt hatte. Die ebenso laut vorgetragene Solidaritätsadresse eines Berliner/NewYorker Rabbis enthielt die Mahnung des Alt48er Frankfurter Rabbis Stein, der seiner Gemeinde schon vor 160 Jahren predigte: "Für Juden gibt es so lange keinen Grund zum Feiern, bis alle Menschen frei von Tyrannen sind!"
"Israel HÖRE!"
400 PalästinenserINNEn und etwa 100 Eingeborene deutscher Muttersprache und noch einmal 50 Teilnehmer aus europäischen Nachbarstaaten, aus Lateinamerika, aus Israel, Jemen .... begrüßte Hasem Nazzal, der Vorsitzende der Palästinensischen Gemeinde Hessen.
Umnrahmt von Rezitationen und Musik und Tanz sprachen
- die MitGründerin der deutschen & europäischen "Jüdischen Stimmen für einen gerechten Frieden" , Frau Prof. Dr. Fanny Reisin, Mitbegründerin und Vertreterin der internationalen Liga für Menschenrechte - der Pressesprecher der Generaldelegation (Botschaft) Palästinas in Berlin
- Matthias Jochheim IPPNW (Frankfurt)
- Winfried Belz PaxChristi -Heidelberg
Beiträge von
- Uri Avnery
- Evelyn Hecht-Galinski ( der Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland)
- McGowan, dem Vorsitzenden des kanadischen Deir Yassin-Komitees
- dem Vorsitzenden der Deutsch-Arabischen-Gesellschaft
Grußbotschaften von
- Dr. Wolfgang Gehrke MdB der LINKEN und Dr. Wilken MdL in Hessen ( keine Grußbotschaft kam von Dr. Gregor Gysi, ob eine in der Paulskirche verlesen wurde, war wegen der Vergitterung nicht zu erfahren!)
- Hanna Braun (aus Israel nach London exilierte jüdische Antizionistin, die in London vor über 20.000 Paletine-Supporters sprach)
- u. v.a.m.
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Trauer um die zigtausenfachen Ermordeten, die rund 800.000 Vertriebenen, die über 400 zerstörten palästinensischen Dörfer, das Massaker an 254 palästinensischen Kindern, Frauen und Alten in Deir Yassin am 9. April 1948 .....dem ersten Höhepunkt
des seit den 20er Jahren wütenden zionistischen Terrors in Palästina.
Es war aber nicht nur Trauer: alle Beiträge forderten die Bundesregierung und die EU auf, ihre Politik endlich an den grundlegenden Menschenrechten zu orientieren und sich für ein laizistisches Land Palästina einzusetzen, in dem alle Ethnien und Religionen friedlich-demokratisch zusammenleben
und -arbeiten können. Alle Beiträge belegten an vielen Beispielen, dass das herrschende Besatzungsregime die Menschenrechte und zahllose (& zahnlose!) UN-Beschlüsse seit über 60 Jahren mit Füßen tritt.
Unrecht mauert sich und andere ein !
Nicht nur die mittlerweile über 600 Kilometer lange Apartheit-Mauer, die das Besatzungsregime z.B. um Bethlehem doppelt soch hoch errichtete wie die Mauer in Berlin - belegt diesen Satz. Die Jubelfeier der Besatzer und ihrer Unzterstützer und Freunde in der Paulskirche war mit Sichheitszäunen, mit
Straßensperren und einigen Hundertschaften Polizei abgesichert. Klein-Schein-Heiligendamm in Frankfurt und die Paulskirche zum 160 Jubeljahr der ersten deutschen Demokratie hinter Gittern.
Dagegen war die Veranstaltung auf dem Römerberg nicht nur von den RedeInhalten her ein Fest der Freiheit und der Hoffnung und Sehnsucht danach, der Gleichheit, der Schwester- und Brüderlichkeit ! Hier herrschte der Geist Heines und Börnes, hier war Lessings Nathan der Weise zu Gast, hier grüßten Einstein und Marx und Erich Fried traf sich mit Mahmud Darwisch: "Ich bin ein Araber! Schreib es auf!" schrie er den israelischen Soldaten entgegen und die deutschen Polizisten vor der Paulskirche verstanden es sehr gut, derweilen sie die Rassisten schützen mussten vor Schäubles Pappkameraden aus der Geisterbahn:
Islamistische Attentäter ?.
Dank an die Polizei !
Nur ein kleiner Zwischenfall
Ein sich selbst als "Rabbi" bezeichnender Vollbart stürmte strammen Schrittes auf den Moderator der Palästina-Veranstaltung zu. Wegen der Rezitation der Fried-Gedichte, der HaBE-Texte und besonders des Gedichtes von Mahmud Darwisch drohte er wörtlich: "Du wirst getötet! Und wenn wir es nicht tun, dann tut es der Gott Israels. Er wird dein Fleisch fressen. Hüte Dich, du wirst vom Verfassungsschutz beobachtet und überwacht. Aber wir verlassen uns nicht darauf. Wir werden Dich töten! Die Feinde Israels werden vernichtet!". Diese anscheinend vorweggenommenen Teile der Rede Bushs vor der Knesset waren dann schon ein Grund dafür, die Polizei zum Eingreifen und zur Personenüberprüfung per Handy aufzufordern. Als dann nach weiteren Drohungen des "Rabbis" die Polizei mit einiger Verspätung auftauchte (klar, die KollegINNen waren mit der in Schutz genommenen PaulskirchenBesatzung völlig überlastet!) hatte sich der "Rabbi" bereits in Richtung Paulskirche
verzogen.
Zum Ende der Veranstaltung forderten die Teilnehmer eine Zugabe: die erneute Rezitation der deutschen Übersetzung des Mahmud Darwisch-Gedichtes: "Ich bin ein Araber! Schreib es auf!". Mahmud Darwisch, der in Palästina so bekannt und populär ist wie Jannis Ritzos in Griechenland, wie Heine seiner Zeit in Deutschland und (leider) viel populärer als Erich Fried in Deutschland und Österreich , ... Mahmud
Darwisch leitete über wie zuvor zum Gesang der Frauen und zum Tanz auf dem Platz so jetzt zur palästinensischen Nationnalhymne, in der sich der Freiheitskampf vieler Völker - aber besonders zweier Völker trifft. der des griechischen mit dem des palästinensischen Volkes: Mikis Theadorakis, der die meisten der Jannis Ritsos Gedichte vertont hat, hat auch die palästinensische Nationalhymne komponiert.
Zum Klang dieser Hymne stiegen dann über 400 schwarze Luftballons in den Himmel, jeder einzelne mit dem Namen eines zerstörten palästinensischen Dorfes.. und der Wind wehte sie allesamt hinüber zur Paulskirche, wo sie für einen Moment den Besatzungs-Jubilaren den Himmel verfinsterten.
Mit diesem Bild endete die TrauerFeier der Palästinenser.
Wer so hoffnungsvoll und lebensbejahend trauert, der wird nicht verlieren.
HaBE
weiteres dazu auf http://www.barth-engelbart.de.vu
