BKA glaubt an Voodoo: Moderne Hexenverfolgung gegen schwarzafrikanische Prostituierte beenden!
Doña Carmen e.V. verurteilt die bundesweit in der Nacht zum Mittwoch unter Federführung des BKA gegen 600 Bordelle und bordellartige Betriebe durchgeführten Polizeirazzien als Ausdruck eines primitiven Rassismus gegen afrikanische Prostitutionsmigrantinnen sowie als Demonstration behördlicher Macht, die jedem Polizeistaat zur Ehre gereichen würde.
Es handelt sich ausweislich des seit dem Jahr 2000 unter http://www.donacarmen.de geführten ‚Razzienspiegels’ um die größte Polizeiaktion gegen das Prostitutionsgewerbe seit dem Prostitutionsgesetz von 2002. Nach Auswertung der einschlägigen Presseberichte sind bei dieser Polizeiaktion zeitgleich in etwa 50 Städten mehr als 3.000 Personen im Prostitutionsgewerbe von mindestens 1.500 Beamten überprüft worden. Damit sind erstmals bei einer einzigen Aktion gegen das Prostitutionsgewerbe ebenso viele Personen kontrolliert worden wie in den Jahren 2007 und 2008 bei allen Bordell-Razzien zusammen genommen.
Der für diese flächendeckende Kriminalisierung des Prostitutionsgewerbes als Vorwand dienende Verweis auf eine angebliche Verhexung schwarzafrikanischer Prostituierter durch Voodoo-ähnliche Praktiken ist an den Haaren herbeigezogen. Unter den etwa 3.000 überprüften Personen waren nur rund 100 „westafrikanische“ Frauen, bei denen laut Medienberichten in höchstens 30 Fällen aufenthaltsrechtliche Verstöße vorlagen. Die Angaben der zuständigen Polizeibehörden bestätigen somit im Nachhinein, dass bei den kontrollierten Frauen von ‚Menschenhandel’ und ‚Zwangsprostitution’ keine Rede sein kann. Damit bricht die offizielle Begründung der gesamten Aktion wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
In der Tat steht die polizeiliche Totalüberwachung des Prostitutionsgewerbes unter dem Vorwand des „Schutzes vor Menschenhandel“ auf tönernen Füßen. Seit rund 10 Jahren ist die Zahl der ‚Opfer’ bzw. der so genannten ‚Opferzeuginnen’ von Menschenhandel ständig rückläufig. Die BKA-Theorie, Menschenhandel sei ein „Kontrolldelikt“ - ‚je mehr Kontrolle, desto mehr Opfer’ - ist durch eine Studie aus dem eigenen Haus (Herz/Minthe, „Straftatbestand Menschenhandel“, 2005) in Frage gestellt worden. Ihr Ergebnis: Auslöser von Menschenhandelsverfahren sind in 43% der Fälle Anzeigen der Betroffenen selbst, aber nur in 2% der Fälle auf polizeiliche Initiativermittlungen in Form von Razzien zurückzuführen!
Wer dennoch Bordellrazzien im großen Stile praktiziert wie BKA-Chef Zierke, dem geht es um andere Ziele: Nicht um ‚Opfer’, sondern um Kriminalisierung des Prostitutionsgewerbes und Stigmatisierung der dort tätigen Frauen als „Opfer“. In Norwegen wurde Prostitution vor nicht allzu langer Zeit verboten: Den Ausschlag dafür gab die Präsenz schwarzafrikanischer Prostituierter im Lande, die zur Stimmungsmache gegen Prostitution instrumentalisiert wurden.
Die BKA-Kampagne gegen nigerianische Prostituierte instrumentalisiert ein marginales Randphänomen: Ausweislich der BKA-Lageberichte zu „Menschenhandel“ gab es in den letzten drei Jahren zusammengenommen nur 26 Tatverdächtige nigerianischer Nationalität, das sind 1,2 % aller Tatverdächtigen bei ‚Menschenhandel’. Und nur jeder 7. Tatverdächtige wird statistisch gesehen vor Gericht als Täter verurteilt.
Die moderne Hexenjagd des BKA ist einem demokratischen Gemeinwesen unwürdig. Doña Carmen e.V. fordert Rechte statt Razzien. Schluss mit dem Polizeiterror gegen ausländische Frauen in der Prostitution! Keine Abschiebung der verhafteten Frauen! Green Card für Nicht-EU-Frauen zum Zwecke der Tätigkeit in der Prostitution.
Doña Carmen e.V.
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