5. Erzählabend des Historisch-Demokratischen Vereins Mittel-Gründau von 1848 in der IAS e.V.
Wer kennt noch weitere Gründe und die dazugehörigen Geschichten? Erzählt wird so und so, was jede(r) mitbringt, die alten Bilder (eine Fotoreportage von 1987 von den Altwiedermusern im STREIT und viele alte Luftbilder fotografiert von der Niedergründauerin Annette Schmitt) und jede® bringt den neusten Fund! Wer hat noch Fotos von der Florianshütte mit Meddel-Ginnern gegen die Müll-Deponie? Mitbringen!!! Unser BI-Vorder-Sondermann am Megaphon?? Mir wird’s zu bunt. Die Schnauze hält hier nur de Hund. Isch halt jetzt erschd e Mol moin Mund..
Es geht um uns, um unsern Ort, mer hassten oder liebten,
des war fer heut des letzte Wort ! Adschö, bis dann zum Siebten.
Ort: im Gasthaus STENGER/HEISS
HINTERGRUND: Offener Brief vom 12.09.2010 von Hartmut Barth-Engelbart zu Wilhelm Pfannmüller:
Dieser Brief geht an die Fraktionen in der Gemeindevertretung Gründau,
an den Bürgermeister der Gemeinde Gründau,
an die Parteivorstände
und an die Redaktionen (mit der Bitte um Veröffentlichung im vollen Wortlaut)
Mit welcher Begründung wurde es abgelehnt in Mittel-Gründau eine Straße nach dem AltBürgermeister und Widerstandskämpfer gegen die Nazis, Wilhelm Pfannmüller, zu benennen ?
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Empörung habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass in der Gemeindevertretung ein Antrag abgelehnt wurde, in Mittel-Gründau eine neue Straße nach unserem Altbürgermeister Wilhelm Pfannmüller zu benennen. Im Ort kursiert das Gerücht, die CDU/FWG Mehrheit in der Gemeindevertretung habe die Benennung der Straße nach dem Widerstandskämpfer Wilhelm Pfannmüller deshalb abgelehnt, "weil der doch einer verbotenenen Partei , der KPD angehört" habe. Da Wilhelm Pfannmüller schon lange vor dem erneuten KPD-Verbot von 1956 Mitglied der SPD geworden war, muss bei dieser "Begründung" seine Mitgliedschaft in der KPD der Weimarer Republik und der illegalisierten KPD im "Dritten Reich"gemeint gewesen sein.
Das habe - so das Gerücht im Gründauer Ortsteil - auch ein Mitglied der FWG-Fraktion im Gemeindeparlament auf die Nachfrage bestätigt, wer denn diese Partei verboten habe. Seine Antwort:"Die Nazis, natürlich!"
Das würde bedeuten, dass die CDU/FWG-Mehrheit deshalb die Staßenbenennung nach Wilhelm Pfannmüller ablehnt, weil er als Kommunist den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur organisiert hat. Das wäre ein kaum überbietbarer Skandal.
Aber auch wenn dieses hartnäckige Gerücht nicht zutreffen sollte, ist die Anlehnung einer solchen Namensgebung allein schon Skandal genug.
Dazu fordere ich Sie auf, öffentlich Stellung zu nehmen.
Ihre Ablehnung ist kein harmloses übliches buissines as usual im parlamentarisch-politischen Alltag. Ich kann nur für Sie hoffen, das Sie nicht wußten, was sie damit ablehnen. Denn wenn Sie es wussten, dann war das ein bewusstes In-den-Dreck-Treten und Herumtrampeln auf dem Widerstand gegen die Nazi-Diktatur.
Wilhelm Pfannmüller hat seit den 20er Jahren als Gleisbauer, Kommunist und aktiver Bahn-Gewerkschafter für bessere Arbeitsbedingungen und menschenwürdige Löhne gekämpft. Er hat in Mittel-Gründau den Fußballverein ROTSPORT mit aufgebaut. Er hat zusammen mit seinen KPD-OrtsgruppenMitgliedern und den örtlichen Sozialdemokraten für die meist polnischen SaisonarbeiterINNEN im Hofgut höhere Löhne gefordert und dafür auch Aktionen durchgeführt. Aus gutem Grund: denn das Fürstenhaus bzw. die Domänen-Verwalter/Pächter haben die polnischen Tagelöhner immer als Lohndrücker gegen die Mittel-Gründauer LandarbeiterINNEN eingesetzt bis hin zum Einsatz von Hunderten von polnischen und russischen Zwangsarbeitern ab 1939/40, die überhaupt keinen Lohn erhielten. Schon vor 1933 war Wilhelm Pfannmüller mit seinen Genossen und Kollegen und deren Familien das Ziel des SA-Terrors. Aber der Widerstand in Mittel-Gründau gegen die Nazis war stark genug, um den Terror zunächst noch abzuwehren. Auch die jüdischen Familien konnten KPDler und SPDler zusammen vor den Nazi-Angriffen noch bis in die Mitte der 30er Jahre schützen, um ihnen dann bei der Flucht vor ihren Mördern zu helfen.
Dass Wilhelm Pfannnmüller den Widerstand im Dorf so gut organisiert hatte, war der Grund, warum die Nazis sofort nach der "Machtergreifung" versuchten ihn zu verhaften. Es gelang ihnen erst im zweiten oder dritten Anlauf: Ende 1933 wurde er ins KZ Osthofen bei Worms und nach der Schließung dieses SA-KZs in ein Emsland-KZ ins Moor verschleppt. Schliesslich wurde er in das Strafbattaillon 999 zwangsrekrutiert und für Brückenkopfaktionen im Raubkrieg gegen Jugoslawien eingesetzt, bei denen viele Kommunisten und Sozialdemokraten von hinten erschossen wurden. Bei einer solchen Brückenkopf-Aktion konnte Wilhelm Pfannmüller fliehen und sich der Partisanen-Armee Titos anschliessen. Nach der Befreiung Jugosdlawiens ud dem Ende des Krieges kehrte Wilhelm Pfannmüller mit dem Fahrrad nach Mittel-Gründau zurück. Sofort nach seiner Rückkehr machte er sich an den Wiederaufbau des Sportvereins, sorgte dafür, dass der kommunistische ROTSPORT sich mit dem sozialdemokratischen Sportverein "Blau-Weiß" zusammenschloss. Beide um 1920 gegründete Arbeitersportvereine waren von den Nazis verboten worden. Jetzt war Pfannmüllers Devise: "Hätten wir uns zusammengeschlossen gegen Hitler, wir hätten die KZs und den Krieg verhindern können, wenn wir uns jetzt zusammenschliessen, können wir verhindern, dass so was wiederkommt!".
Er sorgte mit dafür, dass aus ROTSPORT und "Blau-Weiß" die Sport und Kultur-Gemeinschaft wurde, die SKG Mittel-Gründau. Neben dem Fußball war das Theaterspielen in der SKG sein wichtigstes Feld. Genau so wichtiig war ihm die Oragnisation des Aufbaus der Mehrzweckhalle noch unter Bürgermeister Meininger: die Kinder sollten auch im Winter und bei schlechtem Wetter Sportunterricht haben können. Wilhelm Pfannmüller hat die Freiwilligen Bautrupps organisiert, seine Jungs und Mädels Sonntags aus dem Betten zum Hallenbau geholt und immer selbt mit Hand angelegt. Die Mehrzweckhalle ist -obwohl er damals noch nicht Bürgermeister war- sein Werk, genauer gesagt, das Werk aller mithelfenden Mittel-GründauerINNEN unter seiner Bauleitung. .. Aber das nicht allein: TrinkWasserbrunnen, Gemeinschafts-Tiefkühlhaus, Planung des Kindergartens, Sammlung und Planungen für ein Mittel-Gründauer Schwimmbad, Feldwegebau und -Verbesserung durch Betonierung und Asphaltierung, .... die Liste läßt sich schier endlos erweitern.
Mit Spannung erwarte ich Ihre Stellungnahmen und möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen vorzuschlagen, wie Sie wenn schon nicht mit einem Straßennamen dann aber mit einer viel besser passenden "Taufe" Wilhelm Pfannmüller noch gebührend ehren können:
Ich stelle den Antrag, der bisher noch namenlosen Mittel-Gründauer "Mehrzweckhalle" den Namen "Wilhelm-Pfannmüller-Halle" zu geben und im Eingangsbereich eine Tafel mit der Biografie unseres Altbürgermeisters anzubringen.
Da ich als einfacher Bürger Gründaus nicht Antragsberechtigt bin, bitte ich die Fraktionen in der Gemeindevertretung, diesen Antrag zu übernehmen.
Ich möchte meinen Antrag abschließend auch mit einem Zitat eines berühmten hessischen Nachkriegspolitikers begründen:
"Ob es Sozialdemokraten, Kommunisten, Bürgerliche oder Konservative, Kirchenvertreter, Atheisten, Einzeltäter, Verschwörergruppen waren, durch diese Menschen gab es in Deutschland, trotz allen Leidens, ein Stück der Besinnung und der Courage, den die Nationalsozialisten nicht brechen konnten."
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Barth-Engelbart
