Buchpräsentation: „... denn in Italien haben sich die Dinge anders abgespielt“? Judentum und Antisemitismus im modernen Italien
Donnerstag, 3. Juli 2008, 18 Uhr: Primo Levis Behauptung, dass „in Italien sich die Dinge anders abgespielt“ hätten, wird mit den Beiträgen zu dem vorzustellenden Band sowohl bestätigt als auch in Frage gestellt. Erstmals liegt in deutscher Sprache ein Überblick über Judentum und Antisemitismus im modernen Italien vor.
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| Wann |
03.07.2008 von 18:00 |
| Wo | Campus Westend |
| Name | Fritz Bauer Institut |
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Der Leser gewinnt Einblick in die zu Beginn der 1990er Jahre in Italien einsetzende Debatte über den auch dort vorhandenen Antisemitismus. Die Teilhabe der italienischen Juden am politischen und gesellschaftlichen Leben des Königtums Italien bis in den Faschismus hinein, die Rassengesetzgebung 1938 und die Kollaboration mit den deutschen Besatzern in der Republik von Salò werden eingehend untersucht. Abschließend wird die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg thematisiert, die Probleme der Reintegration der jüdischen Heimkehrer, die „Leerstellen im Gedächtnis“ der Nachkriegsgesellschaft und der akademischen Geschichtsschreibung sowie aktuelle Formen des Antisemitismus.
Mit Beiträgen von
Francesca Fabbri (Jena): „Judenfeindliche Ikonographie in der italienischen Kunst des Mittelalters und der Neuzeit“
Ulrich Wyrwa (Berlin): „Emanzipation und Antisemitismus. Juden im Italien des 19. Jahrhunderts“.
Einführung: Liana Novelli-Glaab (Frankfurt am Main)
Moderation: PD Dr. Werner Konitzer (Fritz Bauer Institut)
Francesca Fabbri forscht über die italienische Bildhauerei in der Barockzeit, Heiligenikonographie nach dem tridentinischen Konzil und kirchliche Bruderschaften.
Liana Novelli-Glaab forscht über die Geschichte der Frauen in Italien seit der Einheit
mit den Schwerpunkten Faschismus, Resistenza und Migration.
Ulrich Wyrwa, Privatdozent für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam, forscht über Jüdische Geschichte und Geschichte des Antisemitismus in Europa, mit besonderem
Schwerpunkt auf Italien, Geschichte der jüdischen Geschichtsschreibung und Europäische Geschichte.
Gudrun Jäger und Liar und Liana Novelli-Glaab (Hg.):
Judentum und Antisemitismus im modernen Italien
... denn in Italien haben sich die Dinge anders abgespielt...
Berlin: trafo verlag, 2007, Frankfurter Kulturwissenschaftliche Beiträge, Bd. 2, 289 S., ISBN 978-3-89626-628-6
Die Forscher/-innen haben dabei nicht nur die Jahre der Judengesetzgebung in Italienab 1938 im Blick, sondern gehen den Befunden vom Mittelalter mit der unseligen Tradition des katholischen Antijudaismus bis in das heutige Italien nach, verfeinern ihr Urteil insbesondere mit Blick auf die Lage der Jüdinnen und stellen einige bedeutende Repräsentantinnen sowie die weibliche Erfahrungsliteratur aus den Lagern vor.
(Marianne Brentzel, Querelles-Net, November 2007)
Untersuchungen über den neuzeitlichen Antisemitismus in Italien in deutscher Sprache gibt
es kaum. Insofern füllt der vorliegende Sammelband eine Lücke. Die Mehrzahl der Beiträge
ist daher auch – übrigens hervorragend – aus dem Italienischen übersetzt. Historische
Phänomene der Neuzeit – hier der italienische Faschismus – sind nur verständlich, wenn
man die wichtigsten Aspekte ihrer Vorgeschichte kennt.
(Viktoria Pollmann, Tribüne, Heft 184, 4. Quartal 2007)
Una coralità di voci e una raccolta di studi davvero pregevole di cui si sentiva la mancanza.
(Anna Villari, Valore Scuola, 15–31.01.2008)
Veranstalter:
Fritz Bauer Institut, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
Institut für Romanische Sprachen und Literaturen
Ort:
Johann Wolfgang Goethe-Universität – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
IG Farben-Haus, Raum 254
Info: Fritz Bauer Institut, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main,
Tel.: 0 69–79 83 22–40, Fax:–41,
