Die AntimilitaristInnen fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und allen anderen Auslandseinsätzen, den Stop jeglicher Planung von Militäreinsätzen im Innern und ein Ende der Militarisierung des öffentlichen Raums. Text des Aufrufs:
Nein zu öffentlichen Gelöbnissen der Bundeswehr in Mainz und anderswo!
Für den 27. Mai 2008 ist ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr in Mainz angekündigt (Ernst-Ludwig-Platz). Gegen diese Verherrlichung von Krieg, gegen diese Zurschaustellung militärischer Macht und gegen diese Demonstration für die Kriegspolitik der Bundesregierung und der NATO rufen wir auf zur Demonstation.
Am Tag des Gelöbnisses selbst, am Dienstag, 27. Mai, werden
wir ebenfalls protestieren außerdem auch am Samstag 2. August 2008,
wenn die Bundeswehr an gleicher Stelle vor dem Landtag(!) mit Ihrem
“KarriereTreff” um Nachwuchs werben wird.
Die Truppe vereidigt ihren Nachwuchs. Dieser soll schwören, dass er
mitläuft und auf Befehl massenhaft tötet. Die Zeremonie selbst steht
den Grundwerten einer zivilen emanzipatorischen und friedlichen
Gesellschaft entgegen. Das Strammstehen, das gleichgeschaltete
Marschieren, das Bewegen aufgrund militärischer Kommandos sowie die
Wiederholung von Gelöbnisformeln lassen die einzelnen Personen
unmündig und ihrer Individualität beraubt erscheinen. Es geht um die
öffentliche Demonstration des Prinzips von Befehl und Gehorsam, um
Hierarchie, um die Vereinnahmung des
Individuums in eine Tötungsmaschinerie, um die Pflege der
schlimmsten Traditionen des deutschen Militarismus und
Nationalismus, von Reichswehr und Wehrmacht. Die Soldaten und
Soldatinnen werden nicht aufs Grundgesetz, sondern auf den Staat
vereidigt, unabhängig vom Inhalt der Politik, für die sie kämpfen
sollen.
Die Bundeswehr führt Krieg
“Die Bundeswehr ist heute weltweit im Einsatz.” So prahlt das Weißbuch
der Bundeswehr. Spätestens der Afghanistankrieg hat es unübersehbar
gemacht: Die Bundeswehr ist keine Truppe uniformierter
Entwicklungshelfer: Sie führt Krieg. Ihr offizieller Auftrag ist es,
im Ausland Rohstoffe und Transportwege zu sichern und in sogenannten
Stabilierungseinsätzen in imperialer Manier Länder zu besetzen. Die
seit den 1990er Jahren immer häufigeren militärischen Aufmärsche
sollen die Bevölkerung für die Kriegspolitik gewinnen und an den
Einsatz der Bundeswehr im Innern gewöhnen. Bereits beim G8-Gipfel
wurde die Bundeswehr verfassungswidrig im Innern eingesetzt. Sie ging
mit Spürpanzern und Aufklärungstornados gegen Oppositionelle vor.
“Archaische Kämpfer für den High-Tech-Krieg”
Auch wenn die Bundeswehr mit - angeblichen - Karrierechancen lockt
und versucht, sich als ormaler Arbeitgeber darzustellen, kann sie
immer weniger herunterspielen, worum es geht: Es geht um Krieg, um
Töten und Getötet-Werden. Dafür werden besonders befähigte und
motivierte Soldaten und Soldatinnen gesucht. Hans-Otto Budde,
Heeresinspekteur sagt es ganz offen: “Wir brauchen den
archaischen Kämpfer und den, der den High-Tech-Krieg führen
kann.” 2003 verkündete Naumann, der damalige Generalinspekteur
der Bundeswehr: “Die Bundeswehr muss die Soldaten wieder mit dem Tod
vertraut machen.”
Rekrutierung durch Armut
Die Bundeswehr tritt wie nie zuvor im öffentlichen Raum auf. Zusätzlich
zu den zahlreichen öffentlichen Gelöbnissen wirbt sie immer
offensiver um Soldaten und Soldatinnen für die Auslands- und
Kriegseinsätze. Sie zeigt Präsenz auf Messen, Märkten und Volksfesten
und drängt sich in Schulen. Nicht zuletzt versucht sie, aus der
beruflichen Perspektivlosigkeit und der sozialen Zwangslage vieler
jugendlicher Erwerbsloser Kapital zu schlagen. Die Kooperation von
Arbeitsagenturen und Jobcentern mit der Bundeswehr ist mittlerweile
nichts Neues mehr. Der Sozialabbau erweist sich als
wirksame Rekrutierungshilfe. Der Druck auf Arbeitslose, sich zur Bundeswehr zu melden, wächst.
Rekrutierung durch Zwang
Die BRD hält am Zwang zum Kriegsdienst fest. Man fürchtet offenbar,
dass sich trotz Hartz IV nicht genügend Freiwillige fürs Töten finden
könnten. In den Regierungsparteien wird sogar die Ausweitung des
Kriegsdienstzwangs zu einer Dienstpflicht für Männer propagiert.
Weiterhin müssen sich alle männlichen Jugendlichen der demütigenden
Prozedur der Musterung durch die Bundeswehr
unterziehen. Kriegsdienstverweigerer werden weiterhin mit der,
mittlerweile schriftlichen, Gewissensprüfung schikaniert und zur
Ableistung eines Ersatzdienstes gezwungen.
Seit 2007 werden nach dreijähriger Pause immer wieder totale
Kriegsdienstverweigerer zur Bundeswehr einberufen und in Arrestzellen
gefangen gehalten. Matthias Schirmer, Totalverweigerer im
Bundeswehrarrest und im Hungerstreik, wurde von der Bundeswehr mit
Zwangsernährung bedroht. Andere rechtswidrige Schikanen endeten erst
auf Intervention eines Bundestagsabgeordneten, der die Bundeswehr zur
Einhaltung ihrer eigenen Regeln veranlasste. (Stand 19.5.2008 )
Intoleranz und Brutalität am Rande des Gelöbnisses im Jahr 2000
Beim Gelöbnis wird gelobt, “Recht und Freiheit des deutschen Volkes
tapfer zu verteidigen.” Was die Bundeswehr unter Tapferkeit versteht,
wurde am Rande des vorherigen Gelöbnisses in Mainz im Jahr 2000
demonstriert: Bundeswehr und Polizei attackierten mit Gewalt
Andersdenkende aus dem erwähnten Volk, die mit Transparenten,
Sprechchören und Pfiffen protestierten. Transparente wurden
beschlagnahmt, Menschen vom angeblich so öffentlichen Gelöbnis
gewaltsam abgedrängt. Einer, der gepfiffen hatte, wurde in Handschellen
zum Polizeipräsidium gebracht. Ein Gelöbnisgegner wurde ohne
erkennbaren Anlass von hinten geschlagen, von mehreren Polizisten
angegriffen und noch brutaler festgenommen. Ergebnisse: Platzwunde an
der Stirn, Verletzung des linken Knöchels, eine gebrochene Rippe,
beide Brillen zerbrochen. Ein anderer wurde gleichfalls ohne den
geringsten Anlass festgenommen. Die Bundeswehr entzog noch während
des Gelöbnisses dem Lokalradio Radio Quer wegen
seiner kritischen Haltung die Akkreditierung für die Berichterstattung aus dem abgesperrten Gelöbnisareal.
Das Verhalten der Bundeswehr gegenüber Kriegsdienstverweigerern und Andersdenkenden
beweist, dass sie das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung
sowie Demokratie und Meinungs- und Gewissensfreiheit noch nicht einmal
im eigenen Land beachtet. Umso unglaubwürdiger ist es, wenn sie
sich international als Verfechter von Demokratie und Freiheit
aufspielt.
Die Bundeswehr wirbt mit ihrer militärischen Machtdemonstration für den Krieg. Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Krieg ist organisierter Massenmord. Krieg schafft die Voraussetzungen für neue Kriege und neue Gewalt. Krieg bedeutet, dass Menschen getötet, verstümmelt und traumatisiert werden.
Nein zu den Auslandsinterventionen und Kriegen von NATO und Bundeswehr!
Bundeswehr raus aus Afghanistan!
Nein zur militärischen Absicherung wirtschaftlicher Interessen!
Nein zur militarisierten und unmenschlichen Flüchtlingsabwehr an den Grenzen der EU!
Ersatzlose Abschaffung aller Kriegs- und Zwangsdienste!
Schluss mit der Verfolgung von Totalen Kriegsdienstverweigerern!
Freiheit für alle bei der Bundeswehr gefangen gehaltenen Verweigerer!
Asyl auch für Kriegsdienstverweigerer!
Militärische Gewalt löst dauerhaft keine Probleme!
Für friedliche und gewaltfreie Konfliktbearbeitung!
Für eine Welt ohne Krieg und Militär!
Nein zum Einsatz der Bundeswehr im Innern!
Nein zu den Machtdemonstrationen der Bundeswehr!
Nein zu öffentlicher Werbung für Krieg und Militarismus!
Nein zur Militarisierung des öffentlichen Raums!
