Filmreihe "Palästina" (1): Am Rande der Hoffnung / Rewind & Replay
Dienstag, 22. Juli, 20 Uhr: "Am Rande der Hoffnung". Ein Film von Gerd Schneider (50 Min. / 2007): Im August 2005 zieht sich die israelische Armee nach fast dreißig Jahren aus dem Gazastreifen zurück. Tage- und wochenlang ist der Rückzug Thema in der Weltpresse. Einmal mehr bestimmt der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis die Weltpolitik. Während die Welt auf den winzigen Streifen Land an der ägyptischen Grenze blickt, geht das Leben im Westjordanland rund um Ramallah seinen gewohnt absurden Gang.
Von der hoffnungsvollen Stimmung in anderen Teilen der Welt, bzw. den wütenden Protesten der Siedler ist hier wenig zu spüren. Die Menschen gehen ihrer Beschäftigung nach, sofern sie eine Arbeit haben, warten in langen Reihen am zügig wachsenden Checkpoint Qalandia, ohne zu wissen, ob sie heute durchkommen werden.
Der 35-jährige Ramadan Affanah kennt diesen Alltag, der weit von Normalität entfernt ist: Er ist Kameramann für den arabischen Sender Al-Jazeera. Geboren und aufgewachsen im Flüchtlingslager Qalandia, hat er es als einer der Wenigen zu einem guten Job gebracht. Aus dem Blickwinkel des Kameramannes fängt er ein, was in seinem Heimatland an der Tagesordnung zu sein scheint:
Fliegende Checkpoints, die ohne ersichtlichen Grund den ohnehin chaotischen Verkehr für Stunden lahm legen, bewaffnete Aufmärsche der Al-Aqsa-Brigaden, die eine trügerische Hoffnung in den elenden Flüchtlingslagern mitten im geschäftigen Ramallah versprechen, zornige Demonstrationen gegen die monströse Mauer, die sich innerhalb von Minuten in einen Hexenkessel von Steinen und Gummigeschossen verwandeln, als die Israelische Grenzpolizei aufmarschiert.
Die Kamera gibt Ramadan Sicherheit, gibt ihm das Gefühl, etwas Sinnvolles in diesem ausweglosen Durcheinander zu leisten. Obwohl er selbst keine Lösung des Konflikts sieht, gibt er die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages Frieden geben könnte. Dass sein vierjähriger Sohn in einem freien Palästina aufwächst und gehen kann, wohin er will.
Ganz in der Nähe seines Elternhauses baut sich Ramadan ein kleines Haus, sein ganzer Stolz. Einen Steinwurf entfernt schlängelt sich die Grenzmauer auf den Checkpoint Qalandia zu. Ihr Anblick erinnert ihn jeden Tag daran, dass sein ganz normaler Traum von einem ganz normalen Leben mit Haus, Kind und Auto, von dem auch seine Landsleute träumen, weit entfernt von Normalität ist.
Um die Hoffnung nicht ganz zu verlieren, stürzt er sich in seine Arbeit als Kameramann. Indem er filmt und einfängt, wie grotesk der Alltag seiner Heimat ist und in dem Wissen, dass der Sender diese Bilder in die Welt übermittelt, wird das Chaos für ihn erträglicher, besteht immer noch eine Chance, dass „die Welt“ einschreitet.
Der Film erzählt von dieser Spannung zwischen Hoffnung und Ohnmacht, von Hilflosigkeit und Zuversicht. Von Gewalt und Wut. Viel geschieht, doch nichts ändert sich. Jeden Tag.
Rewind & Replay
Ein Film von Nathalie el-Jorr (40 Min. / BRD 2006)
Dieser Film dokumentiert die ungewöhnliche Reise von drei jungen Frauen aus Hessen in das Innere der Zedernrepublik Libanon. Nathalie el-Jorr, Anna Myung-Sook Kim und Karoline Schwikal versuchen innerhalb von vier Wochen hinter das Medienbild von Terror und islamischem Fundamentalismus zu blicken und kommen dabei einigen bemerkenswerten Menschen ihrer eigenen Generation erstaunlich nahe.
Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in den Libanon, gedreht im April 2006, drei Wochen später war Beirut Ziel von Bombenangriffen der israelischen Luftwaffe. Drei junge Filmemacherinnen aus Hessen treffen in der Großstadt Beirut Menschen ihrer Generation und lernen den Alltag dieser Stadt kennen und verstehen.
Einlass (zum Ankommen und für Getränkekauf): 19.30 Uhr
Filmbeginn: 20.00 Uhr
Filmgespräch ca. 21.30 Uhr
Kartenbestellungen: Tel. (069) 43054734 oder
theater.willypraml@t-online.de

