Film: Frank Wolff: Mein blaues Cello
Frankfurt – für Frank Wolff ist es die Stadt mit den scharfen Kontrasten, hässlich und gleichzeitig schön. „Vieles, was ich mit dem Cello gefunden oder erfunden habe, wäre vielleicht anderswo so nicht entstanden.“
Als Frank zehn Jahre alt wird, freundet er sich zum ersten Mal und für immer mit dem Cello an. „Es ist mein Raum.“
Franks Bruder KD Wolff, heute erfolgreicher Verleger in Frankfurt, erinnert sich an die gemeinsame Kindheit im Hessischen Hinterland: „Die Eltern waren ja Pfarrerskinder, auf der explizit religiösen Ebene war das zwar vollkommen futsch, aber in der Musik war das protestantische Pfarrhaus sozusagen immer weiter vorhanden. Alles drehte sich darum.“
Frankfurt, die Stadt am Horizont, hat für die Wolff-Brüder eine starke
Anziehungskraft aus. In den späten sechziger Jahren werden sie hier
Sprecher der Protestbewegung. Frank ist der einzige Schüler Adornos, der
nicht nur Soziologe ist, sondern auch Musiker.
Bei Adorno lernt er das Staunen über die Musik. Das als bürgerlich verrufene Cello ruht nur für kurze Zeit.
Protestantismus und studentischer Protest, Ernst und Heiterkeit,
Harmonie und schrille Töne, alte und neue Musik: als Solist wie im
Ensemble hat Wolff schnell einen unverwechselbaren Stil entwickelt. In
Anlehnung an Jimi Hendrix spielt er seine Version des Deutschlandlieds.
Und wird damit weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
„Wenn Sie wollen,“ sagt Daniel Cohn-Bendit, Politiker im
Europaparlament, „ist es das Hochpolitische an seinen Auftritten: ohne
ein Wort, ohne einen Satz, ohne Geschwafel und ohne Kitsch wird eine
Generation auf einen Begriff gebracht - das Verhältnis einer Generation
zu eben dieser Nationalhymne.“
Der Film folgt Frankfurts Stadtstreicher (Petra Roth in ihrer Rede zur
Verleihung der Goetheplakette) schließlich in jene Grenzbereiche, in
denen Musik aufhört und das Geräusch beginnt. Er zeigt Gegenwart und
Vergangenes, erzählt von Leben und Tod. Vor fünf Jahren starb Anne
Bärenz, Wolffs Partnerin auf der Bühne und im Leben.
„Das Cello hat ja nicht nur etwas Sentimentales und Romantisches,
sondern auch etwas Melancholisches. Das bin ich auch, nicht nur vom
Gefühl und der seelischen Verfassung. Es ist auch ein Teil von meinem
Körper.“
Der Titel „Mein blaues Cello“ erinnert an ein Gedicht von Else Lasker-Schüler. Dieses Gedicht umschreibt für Frank Wolff die Klangfarbe seines Instruments.
Mit Frank Wolff, KD Wolff, Daniel Cohn-Bendit, Markus Neumeyer,
Ingrid El Sigai, Hans Riebsamen, Friederike Walter, Wolfgang Thierse
Am Sonntag, 22.08. und Montag, 23.08. in Anwesenheit von Frank Wolff und Wolfgang Würker
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