Frankfurter Tafelrunde

erstellt von redaktion — zuletzt geändert: 2007-10-07T03:18:27+01:00
<p>Abendländische unter sich?<br> Seit ihrer Gründung im Jahre 1953 trifft sich in einer Frankfurter Jugendstilvilla die „Frankfurter Tafelrunde“.

Als „Kreis von Herren“ gegründet, „die sich zur Fortbildung auf vielen Wissensgebieten und zur Pflege der Geselligkeit zusammengefunden haben“, bekennt sich der elitäre Kreis in seinen Grundsätzen „zum Begriff des gebildeten Abendländers, der den Wert der guten Erziehung, der inneren Vornehmheit und des Herzenstaktes zu schätzen weiߓ und wendet sich gegen „Vermassungstendenzen zumindest im eigenen Kreis“. Die zumeist über 50 Teilnehmer der „Tafelrunde“ lauschen nach dem Abendessen in „gepflegter Kleidung“ den geladenen Referenten, weiß das Ostpreußenblatt (2/01) zu berichten.

Das waren in den vergangenen Jahren u.a. der Bonner Experte in Sachen Anti-Antifa, Prof. Hans-Helmuth Knütter, der neurechte Publizist Karlheinz Weißmann, der Generalmajor a.D., Gerd Schultze-Rhonhof, Prof. Bernd Rüthers, Träger des Hans-Martin-Schleyer-Preises, der ehemalige Moderator des ZDF-Magazins, Gerhard Löwenthal und der Bevölkerungspolitiker Prof. Josef Schmid. Das diesjährige Kalenderjahr der „Tafelrunde“ wird von der FPÖ-Vorsitzenden Susanne Riess-Passer, zugleich österreichische Vizekanzlerin, eröffnet (auch Jörg Haider selbst war bereits vortragender Gast der Runde).

Organe der „Tafelrunde“, die von Oktober bis Mai jeweils am letzten Freitag des Monats zusammentrifft, sind die Gesamtheit der Mitglieder, der Senat und der Vorstand.

Vorstandsvorsitzender ist derzeit der langjährige Frankfurter CDU-Funktionär Dr. Wolfgang Bodenstedt. Bodenstedt ist Autor in der Zeitschrift „Criticon“ und schrieb wiederholt Leserbriefe in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.

Mitglied der elitären Runde kann werden, wer über einen längeren Zeitraum an den Veranstaltungen teilgenommen hat und vom Vorstand eine Mitgliedschaft angetragen bekommt. aus: antifaschistische nachrichten 2/2001

Mancher Leserin und manchem Leser des Frankfurter Infos (oder aber des Fechenheimer Anzeigers) wird Dr. Wolfgang Bodenstedt noch bekannt sein als Initiator von Hetzkampagnen gegen Fechenheimer Roma-Familien, als Initiator eines Antrags für „schwarze Listen“ im Haus- und Grundbesitzerverein Fechenheims zwecks Auswahl geeigneter Mieter, als Gegner eines Frauenbadetags im Fechenheimer Gartenbad, als er dagegen in’s Feld führte: „Wir sind der wohlbegründeten Ansicht, daß man den Gesinnungsgenossen dieser algerischen, ägyptischen, iranischen usw. Terroristen hier keine Erfolgsaussichten à la Frauenbadetag liefern sollte. Integration kann nicht heißen, die hier längst abgeschaffte Separierung ausgerechnet von dieser Glaubensrichtung wieder einzuführen ...“ (Fechenheimer Anzeiger vom 15.7.94).

In einem Online-Interview in „Deutschland direkt“, äußerte Bodenstedt, getreu seiner bisherigen abendländischen Stammtischmanier: „Zu den Lebensgewohnheiten der Ausländer gehört etwa, daß die eigene Person und die eigene Wohnung saubergehalten werden, Treppenhäuser, Straßen, Parkanlagen etc. aber nicht. Dies trifft sich mit ähnlichen Vorstellungen aus der deutschen alternativen Szene, die Sauberkeit zu den ‘Sekundärtugendenden’ zählt, mit denen man auch 'ein KZ betreiben kann’, wie es Oskar Lafontaine einst sinngemäß in einer Auseinandersetzung mit Helmut Schmidt erklärt hat. Unser Stadtteil ist nicht gerade ein Vorbild an Sauberkeit – dies hängt auch mit dem hohen Ausländeranteil zusammen.“ (aus: Hessen-Klartext in Deutschland-direkt vom Januar 2000 ).

Mit diesem Vorstand und solchen Referenten scheint die „innere Vornehmheit“ so weit innen zu sitzen, dass sie nicht zum Vorschein kommt und der „Herzenstakt“ der „Tafelritter“ wird sich wohl auf Marschrhytmen und Begleitmusik zu Schlägen beschränken.
udi