Hauptangeklagter im Berliner Katholikenprozess 1937: <br> Kaplan Dr. Joseph Cornelius Rossaint

erstellt von redaktion — zuletzt geändert: 2007-10-07T04:20:15+02:00
&#132;In keiner Kirche, nicht mal in der Domkirche ist eine Gedenktafel für die in den KZ und durch politische Justiz umgekommenen Kleriker, während in jeder Kirche die 'Helden' ihr Denkmal finden, jene also, die man zwang, andere über den Haufen zu schießen, die es taten und dann am Ende selbst dabei waren.&#147;

Dr. Joseph Rossaint wusste wovon er sprach, als er im April 1958 diesen Tagebucheintrag verfasste. Der katholische Kaplan wurde als Hauptangeklagter im Berliner Katholikenprozess 1937 zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt und bereits während seiner Haftzeit von der katholischen Amtskirche fallengelassen. Der Berliner Katholikenprozess wurde von den Nazis als Schauprozess gegen die katholische Kirche inszeniert. Das Urteil gegen Rossaint übertraf alle bis dahin gegen katholische Würdenträger ausgesprochenen Strafen. Im Gegensatz zu den Mitgliedern seiner Düsseldorfer Gemeinde, wandte sich die Amtskirche nach dem Prozess von ihm ab. Als Rossaint nach seiner Befreiung 1945 wieder seinen Dienst als Kaplan aufnehmen wollte, wurde ihm vom Kölner Erzbischof Frings zur Auflage gemacht, er müsse sich in Zukunft jeder politischen Betätigung enthalten und alle Kontakte zu ehemaligen Mitgefangenen, von denen einige Kommunisten waren, abbrechen. Nach langem Abwägen ... entschied sich der sich stets dem katholischen Glauben verpflichtete Rossaint, diese Bedingungen abzulehnen. Sie standen im völligen Gegensatz zu seinen Erfahrungen aus dem pazifistisch geprägten Widerstand gegen den Nationalsozialismus ... Rossaint wirkte von 1946 bis zu seinem Tod 1991 als freier Publizist. Er wurde zu einem der Mitbegründer der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und später deren Präsident. <br> Aus Anlass seines 100. Geburtstages haben der Historiker Prof. Dr. Karl-Heinz Jahnke und Rossaints Neffe, Dr. Alexander Rossaint, ein Buch zum Katholikenprozess 1937 mit zahlreichen Dokumenten, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen herausgegeben. Im Rahmen der Buchmesse las Prof. Jahnke auf einer Veranstaltung des VAS-Verlages, des Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V. und der VVN aus dem Buch ... Jahnke gehörte wie Rossaint vor 35 Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Studienkreises, der ersten bundesdeutschen Institution, die sich der Erforschung und der Vermittlung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus verschrieben hat. PM, Studienkreis