„Ball der Polizei“ – Kein Grund zu feiern!

erstellt von Interventionistischen Linken (IL) Frankfurt — zuletzt geändert: 2017-09-15T13:19:26+02:00
Am Samstag, den 16.09.2017, lädt die Frankfurter Bezirksgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zum jährlichen „Ball der Polizei“ ein.

Unter dem Motto „Wertschätzung dringender denn je!“ will sich die Polizei im Saalbau Bornheim feiern und feiern lassen.

Wir meinen: Hier gibt es nichts zu feiern! Statt Selbstbeweihräucherung und mehr Wertschätzung ist ein Realitätscheck notwendig: Die Polizei ist nicht der „Freund und Helfer“, sondern für viele Menschen ein echtes Problem. Ständige Überwachung, die systematische Vertreibung von Obdachlosen, Drogenabhängigen, Jugendlichen und allen anderen als „unerwünscht“ geltenden Personengruppen aus dem urbanen Raum, rassistische Kontrollpraxen und alltägliche Gewalt – was bitte gibt es daran zu feiern? Wofür Wertschätzung, wenn Polizist*innen beim Ausbau der Festung Europa helfen, wenn sie nachts in Wohnungen stürmen, Menschen aus ihren Betten zerren und sie ins nächste Flugzeug in ein vermeintlich „sicheres Herkunftsland“ zwingen? Einschüchterung, Angst, ein Ticket in den möglichen Tod – und im Saalbau Bornheim muntere Partylaune?

Als wäre das alles nicht schon Wahnsinn genug, hat die Polizei – den wahlkampftreibenden Politiker*innen und rechten Law And Order-Fans wie immer treu zu Diensten – spätestens seit den G20-Protesten in Hamburg ein altes Thema wieder für sich entdeckt: die linke Szene und alles, was sie dafür hält. In Frankfurt haben die brutalen Räumungen gegen Project Shelter, der polizeiliche Ausnahmezustand bei Blockupy oder die von Hessen ausgehende Initiative für eine Gesetzesverschärfung zum „Schutz“ der Polizei (#Bullenschubsen) in den letzten Jahren bereits einen Vorgeschmack auf das gegeben, was sich in den letzten Wochen bundesweit abspielt: der irrwitzige Polizeieinsatz in Hamburg, die absurd hohen Strafen gegen Aktivist*innen im Nachgang, die mediale Empörung über „linke Gewalt“, das Verbot der Nachrichtenplattform linksunten.indymedia.org, die Verunglimpfung unserer Zentren und besetzten Häuser. All das soll abschrecken, soll legitimen Protest kriminalisieren, jede Idee einer anderen, solidarisch organisierten Gesellschaft verdrängen – und nebenbei von der Gewalt ablenken, die tagtäglich von Polizei und Staat ausgeht. Gleichzeitig gehören rassistische Übergriffe, brennende Geflüchteten-Unterkünfte und Waffenfunde in der rechten Szene weiterhin ebenso zum Alltag wie das Gerade von linkem und rechtem Extremismus. Wir finden: es reicht!

Diesem Irrsinn von Polizei und staatlichen Behörden wollen wir etwas entgegensetzen. Gerade in Zeiten, in denen der Wahnsinn der Welt täglich sichtbarer wird und die Wut droht, in Angst und Lähmung umzuschlagen, braucht es sichtbare Zeichen des Protestes und Widerstandes. Deshalb werden am kommenden Samstag, den 16.09.2017, unter dem Motto „We’ll come United!“ tausende Menschen in Berlin bei einer antirassistischen Parade für gleiche Rechte für Alle und gegen Abschiebungen demonstrieren. Alle, die nicht nach Berlin fahren, sind eingeladen, ihrem Unmut über die herrschenden Verhältnissen beim „Ball der Polizei“ Ausdruck zu verleihen – kreativ, bunt und lautstark! Machen wir gemeinsam auf Schildern und Plakaten sichtbar, worin die Praxis der Polizei real besteht und welche Politik sie alltäglich ausführt.

„Wertschätzung dringender denn je“? Not In Our Name!
Samstag, 16.09.2017, 19Uhr vor dem Saalbau Bornheim (Arnsburger Str. 24, 60385 Frankfurt am Main)

Und anschließend: Sie nehmen sich den Saalbau – und wir uns die ganze Stadt! Sie feiern die Polizei – und wir den Widerstand! Caipirinha gegen Cops, Pernot gegen Polizei, Bier gegen Bullen. Oder einfach ne Brause gegen den Kapitalismus. Massencornern gegen Polizeigewalt und den Wahnsinn der Welt.

Eine Einladung der Interventionistischen Linken (IL) Frankfurt

www.frankfurt.radikallinks.org