Beratungsstellen brauchen geschütztes Umfeld

erstellt von Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt — zuletzt geändert: 2018-03-13T13:32:23+02:00
Stellungnahme zur 40-Tage-Mahnwache vor der Beratungsstelle pro familia.

Für die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt zählt die Inanspruchnahme von Beratungsleistungen zu den Grundrechten. Deshalb sind für uns Mahnwachen im unmittelbaren Umfeld einer Beratungsstelle, wie aktuell im Fall pro familia in Frankfurt, nicht tragbar.

Beratungsstellen kommen mit ihrer Arbeit in der Regel einem Gesetzesauftrag nach oder sie leisten gemeinnützige Arbeit. Vor allem Anlaufstellen, die zu sensiblen Themen wie Sexualität und Schwangerschaft, Alkohol- und Drogenmissbrauch oder Gewalterfahrungen beraten, bedürfen besonderem Schutz. Wir wissen, wie schwer es Betroffenen fällt, oftmals trotz großer Scham, entsprechende Angebote in Anspruch zu nehmen, daher haben Mahnwachen hier nichts zu suchen – und seien sie noch so stumm.

Beratungen jedweder Art müssen in einem geschützten Umfeld durchgeführt werden, um erfolgreich sein zu können. Grundsätzlich hat niemand das Recht, anderen Menschen, und in diesem Fall insbesondere Frauen, die eigenen Überzeugungen, Ideologien und Denkweisen aufzuzwingen. Will eine Frau Beratung in Anspruch nehmen, um aus freien Stücken zu einer Meinung und Entscheidung zu gelangen, so sollte ihr dies jederzeit und uneingeschränkt möglich sein.

Selbstverständlich steht allen Menschen zu, eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten – solange sie dadurch Andere in ihrem Handeln weder behelligen noch diskriminieren.

Die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt engagiert sich für das Aktionsbündnis „Frankfurt für Frauenrechte“. Wir sind der Meinung, dass jede*r ein Recht auf Selbstbestimmung und darüber hinaus auf anonymen, unbehelligten Zugang zu Beratungseinrichtungen haben sollte.

Für Team und Vorstand der Beratungsstelle Frauennotruf, Angela Wagner

Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt, 12. März 2018

 

Hintergrund: Seit Aschermittwoch demonstrieren fundamentalistische Christ*innen, sogenannte Lebensschützerinnen der "Aktion SOS Leben", unmittelbar vor der Beratungsstelle von pro familia in Frankfurt mit "Mahnwachen" gegen das Recht von Frauen auf reproduktive Selbstbestimmung.

Erklärtes Ziel der Demonstrierenden ist es, bis Ostern 40 Tage lang Abtreibungen in Frankfurt und in Deutschland insgesamt zu verhindern und die Mitarbeiter*innen der Beratungsstellen bei ihrer Arbeit zu stören.

Ratsuchende Frauen werden mit Parolen, großen Fotos von Embryonen, mit lauten Gebeten und Gesängen und sogar mit aufgestellten kleinen Kindersarg- Attrappen drangsaliert, traumatisiert, gedemütigt und durch Spießrutenlaufen verunsichert. (red. FI)