Brandenburg-Umzug: Beschäftigte und die Stadt Frankfurt als Verlierer?

erstellt von DGB Region Frankfurt-Rhein-Main — zuletzt geändert: 2017-01-31T20:15:38+02:00
Nachdem bekannt wurde, dass die Großmetzgerei Brandenburg eine Absichtserklärung zum Umzug nach Erlensee unterschreiben will, bleiben die Gewerkschaften zuversichtlich, dass der Umzug innerhalb Frankfurts noch nicht vom Tisch ist.

 „Allein deshalb gibt es keinen Anlass die Flinte ins Korn zu werfen“, so Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der zuständigen Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in Rhein-Main. „Der neue Standort in Frankfurt/Maintal hätte in verschiedener Hinsicht Vorteile, allein schon, weil er für die Beschäftigten der beiden aktuellen Standorte in Fechenheim und Dreieich noch gut erreichbar wäre. Für uns steht natürlich das Interesse der 1.300 Beschäftigten im Mittelpunkt – die Verlagerung nach Erlensee würde die täglichen Wegezeiten für viele Beschäftigte erheblich verlängern. Gerade das Zeitkorsett der vielen weiblichen Beschäftigten sei aufgrund der zusätzlichen familiären Verpflichtungen bereits jetzt schon sehr eng geschnürt.

Auch der Frankfurter Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Philipp Jacks, geht davon aus, dass für die Brandenburg-Geschäftsführung nicht allein die Bodenpreise das alles entscheidende Kriterium sein werden. „Die hohe Qualität der Brandenburg-Produkte kann nur mit einer motivierten Belegschaft erhalten bleiben, das rechnet sich dann auch für die Geschäftsführung.“ Außerdem weist Jacks darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit Erlensee offensichtlich noch in einem sehr frühen Stadium sei: so müsse unter anderem noch die im Bodennutzungsplan festgeschriebene Freizeitnutzung des Geländes geändert werden und eine umfassende Bodenbeschaffenheitsstudie erstellt werden. Das sei bei einem ehemaligen Militärgelände der US-Armee kein Selbstläufer.

Für Cox ist klar, dass das Unternehmen alle drei in Frage kommenden Standorte gewissenhaft prüft. „Geld zu verschenken, hat das Unternehmen nicht, aber allein die Umstände, dass die Beschäftigten sehr frühzeitig informiert wurden und der Sondierungsprozess schon eine gewisse Zeit in Anspruch genommen hat, spricht dafür, dass das Unternehmen sich einer komplexen Entscheidung stellt. Ein neuer Standort in Frankfurt/Maintal würde außerdem beweisen, dass das Papier für den Masterplan Industrie nicht umsonst bedruckt wurde. Dafür muss sich das Wirtschaftsdezernat der Stadt Frankfurt ins Zeug legen, und mehr als nur die Hausaufgaben machen", fordert Cox. Außerdem sei es ein Leuchtturm dafür, dass man über Stadtgrenzen hinweg kooperieren kann.

Philipp Jacks appelliert an die Brandenburg-Geschäftsführung, eine Lösung im Frankfurter Raum zu finden: gerade in Frankfurt sei es wichtig, dass auch Arbeitsplätze für Geringqualifizierte erhalten bleiben, da diese aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten ohnehin unter hohem Druck stehen.

DGB-Pressemitteilung, 31.1.2017

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