Der Einsatz für Frieden ist kein Verbrechen

erstellt von IPPNW — zuletzt geändert: 2018-07-17T16:55:54+01:00
Prozess gegen Unterzeichner des Aufrufs „Frieden für Afrin“
Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW hat an Außenminister Heiko Maas
appelliert, sich für die sofortige Freilassung des Arztes Prof. Dr. Onur
Hamzaoglu sowie die Aufhebung seiner Entlassung von der Universität
einzusetzen. Prof. Dr. Hamzaoglu ist international renommierter
Wissenschaftler für Public Health und Vorstandsmitglied der International
Association of Health Policy sowie Herausgeber der Zeitschrift der
Türkischen Ärztekammer „Community and Physician“.

Hamzaoglu ist einer der Unterzeichner des Aufrufs „Akademiker für den
Frieden“. Anfang 2016 hatten sich türkische Intellektuelle in dem
Aufruf für eine Lösung des Konflikts mit der kurdischen Bevölkerung
eingesetzt. Insgesamt 1.128 WissenschaftlerInnen von 89 Universitäten
hatten die Regierung in der öffentlichen Petition aufgefordert, die
Gewalt in der überwiegend von Kurden bewohnten Region zu beenden und die
Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Ein Großteil der türkischen
Unterzeichner*innen verlor den Arbeitsplatz und musste das Land verlassen.

Bereits am 1. September 2016 wurde Hamzaoglu von seinem Posten in der
Public Health Abteilung der Kocaeli Universität entlassen. Als
Co-Sprecher des Demokratischen Volkskongresses unterschrieb er trotzdem am
4. Februar 2018 die Presseerklärung „Wir sind an der Seite der Menschen
von Afrin“ gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei in
Syrien und den Angriff auf Afrin.

Es sind mehrere Strafverfahren gegen ihn anhängig. Das Verfahren wegen
der Solidarisierung mit den Menschen in Afrin wird vor dem 29. Assize
Gericht in Ankara geführt. Die erste Verhandlung findet am 19. Juli 2018
in Ankara statt.

„Wenn Ärzte verfolgt werden, weil sie sich für Frieden einsetzen,
müssen wir uns dagegenstellen“, sagt Gisela Penteker,
Türkeibeauftragte der IPPNW.
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Pressemitteilung, 17. Juli 2018