Künstlergruppe zündet Polizeiauto an

erstellt von Frankfurter Hauptschule — zuletzt geändert: 2018-02-05T19:05:51+02:00
Die Aktion VISIONÄRE RUINEN richtet sich gegen die Verdrängung von Drogensüchtigen aus dem Szeneviertel.

Das Künstlerkollektiv Frankfurter Hauptschule provozierte 2013 mit gefälschten Tickets für die Bayreuther Festspiele, 2015 mit einer Heroin-Performance im Frankfurter Bahnhofsviertel und 2016 mit dem Aufruf, Liebesschlösser von Frankfurts zentraler Fußgängerbrücke abzuknacken. Jetzt haben die jungen Kunststudenten, im Rahmen der Jahresausstellung der Frankfurter Kunsthochschule, einen Streifenwagen geschändet, abgebrannt und im Frankfurter Bahnhofsviertel ausgestellt.

Die Aktion VISIONÄRE RUINEN richtet sich gegen die Verdrängung von Drogensüchtigen aus dem Szeneviertel. Seit einem Jahr ist dort eine knapp 150 Personen starke Sondereinheit der Polizei stationiert. Großrazzien gegen die Drogenszene sind an der Tagesordnung. Dabei wenden die Polizisten immer wieder racial profiling an. Die Ergebnisse der exzessiven Kontrollen sind nicht der Rede wert. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um einen Säuberungsversuch der 'Visitenkarte Frankfurts' handelt.

In einem Video, das die Künstler bei Facebook veröffentlichten, ist zu sehen, wie sie das Polizeiauto schänden und abbrennen: Teaser

Die Frankfurter Hauptschule platzierte das Fahrzeug am vergangenen Donnerstag, 1. Februar im Bahnhofsviertel, wo diverse Passanten damit interagierten: Sie machten Selfies, kletterten auf das Autodach, oder urinierten auf die Motorhaube. (Siehe Pressefotos!) Nach elf Stunden ließ die Polizei den Wagen abschleppen.

Die Künstler kündigen an, am kommenden Mittwoch, 7. Februar ein weiteres Video auf ihrer Facebookseite zu veröffentlichen, in dem die Aufnahmen aus dem Bahnhofsviertel zu sehen sind.

Sowohl der ausgebrannte Streifenwagen, wie auch die Vollversion des Videos 242 TITEL BESSER ALS MARTIN KIPPENBERGER werden vom 8. bis 11. Februar beim Rundgang der international renommierten Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main zu sehen sein; sowie vom 8. März bis 5. Mai in der Ausstellung “Kunst der Revolte. Revolte der Kunst” im Studierendenhaus der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Eine Sprecherin der Frankfurter Hauptschule: “Das Bild von Junkies, die mit Spritze im Arm auf der Straße liegen, ist nur die Nachtseite von verspiegelten Bankentürmen. Der gesellschaftliche Schmerz wird im Bahnhofsviertel sichtbar und das ist gut so. Anstatt Drogensüchtige aus dem Blick der Öffentlichkeit zu drängen, sollte man ihr Elend noch viel greller ausstellen. Wir sind erst zufrieden, wenn das Bahnhofsviertel fest im Griff von Junkies ist. Wir wollen völlig vercrackte Zombiehorden, die mit abgesägten Schrotflinten durch die Münchener Straße patroullieren, während der Rauch von ausbrennenden Einsatzwagen sich mit dem warmen Licht der Abendsonne mischt.”

 

VISIONÄRE RUINEN / 242 TITEL BESSER ALS MARTIN KIPPENBERGER

Rundgang der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule

8.-11.Februar 2018, 10-18:00 Uhr

Dürerstraße 10, 60596 Frankfurt am Main


Kunst der Revolte. Revolte der Kunst.

8. März - 5. Mai 2018

Studierendenhaus der Goethe-Universität

Mertonstraße 26, 60325 Frankfurt am Main