Mit Fake News Stimmungsmache gegen ‚freiwillige Prostitution‘

erstellt von Doña Carmen e.V. — zuletzt geändert: 2017-11-21T11:21:22+01:00
Am Samstag, den 18.11.2017, sendet der TV-Sender ZDFinfo unter dem Titel „Bordell Deutschland“ eine Rotlicht-Reportage, die das Publikum diesmal nicht gegen die sogenannte „Zwangsprostitution“, sondern nunmehr gegen ‚freiwillige Prostitution‘ aufbringen soll.

Die Rede ist von „dramatischen Zuständen“ in einem insgesamt „kriminellen Gewerbe“ der Prostitution. Doch die vermeintlich „ungeschönten Fakten“, die ZDFinfo präsentiert, sind nichts weiter als einer Mischung aus Lügen und Desinformation, wie Doña Carmen e.V. auf seiner Website in einem 20-seitigen Faktencheck detailliert belegt.
(vgl.: www.donacarmen.de/zdf-doku-bordell-deutschland/)

Entgegen den Behauptungen in der ZDF-Doku lässt sich nachweisen,

  •  dass Deutschland keine „Drehscheibe von Menschenhandel“ ist, sondern in den  Jahren 2014 und 2016 bei diesem Delikt die niedrigsten Opferzahlen seit 25 Jahren aufzuweisen hat;
  •  dass ausweislich von Analysen des BKA sowie von EUROPOL die Rede von „Organisierter Kriminalität“ im deutschen Prostitutionsgewerbe ins Reich der Märchen und Legenden gehört; 
  • dass die Behauptung einer ständigen Zunahme von Sexarbeiter/innen ein interessiert konstruiertes Bedrohungsszenario ist: Seit rund 15 Jahren stagniert die Zahl der Sexdienstleister/innen; ihr Anteil bezogen auf die gewachsene Bevölkerungszahl in Deutschland ist sogar rückläufig; sie war auch nie eine Folge der „Legalisierung der Prostitution“;
  •  dass die jetzt vom ZDF kolportierte Behauptung, Prostitution sei gefährlicher als Krieg, auf einer einzigen Studie aus dem Jahre 2001 basiert, die von der Verfasserin selbst als „nicht repräsentativ“ bezeichnet wurde. 

Hinzu kommt, dass neuerdings einzelne Prostitutions-Aussteigerinnen nach der Methode „pars pro toto“ instrumentalisiert und missbraucht werden, um sämtliche Sexarbeiter/innen als „traumatisiert“, gewaltbetroffen und extrem ausgebeutet hinzustellen.

Es ist ein Armutszeugnis für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, wenn – entgegen den ZDF-Leitlinien – mit Lügen, Desinformation und Effekthascherei Fakten geleugnet und dem Publikum ein X für ein U vorgemacht wird.

Das ist Wasser auf die Mühlen jener, die mit dem Vorwurf der Lügenpresse etc. rechtextreme Politik in Deutschland salonfähig machen möchten.

Wer mit konstruierten Schreckens- und Bedrohungsszenarien auf Kosten von Sexarbeiterinnen Quote machen will; wer in politischer Mission unterwegs ist und mit der Propagierung des „nordischen Modells“ das Publikum auf eine polizeiliche Verfolgung von Prostitutionskunden einstimmen und der Sexarbeit damit das Wasser abgraben will, der betreibt Hetze gegenüber der mühsam errungenen rechtlichen Anerkennung von Sexarbeiter/innen und Prostitution als Beruf.

Man will „für Wirbel sorgen“. Aber der Staub, den man dabei aufwirbelt, kann nicht verdecken, dass die vermeintlichen Belege der ZDF-Doku zu dürftig und die Grundlage der Argumentation zu brüchig ist.

 

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