Neue Perspektive auf Rudolf Rocker-Biographie

erstellt von Emmelie Öden — zuletzt geändert: 2017-03-05T15:20:14+02:00
„Proletarisches Mainz“ bietet nahbaren Zugang zur Geschichte der Arbeiterbewegung

Rudolf Rocker (1873–1958) – Buchbinder, Historiker und Gewerkschafter – beeinflusst bis heute weite Teile der internationalen Linken und des Anarchismus. Als scharfsinniger Theoretiker eröffnete er neue Sichtweisen auf Kulturgeschichte und Arbeiterselbstorganisation; Als unermüdlicher Praktiker kämpfte er für eine freie Gesellschaft und für das Ende der Klassenherrschaft. Nach Peter Wienands eindrucksvoller Biographie „Der geborene Rebell“ und der Veröffentlichung einer Auswahl von Rockers Memoiren beleuchtet die Publikation „Proletarisches Mainz. Der Rudolf Rocker-Stadtführer“ nun die frühen Jahre des Revolutionärs in seiner Heimatstadt Mainz.

Rudolf Rocker wurde als Sohn einer Mainzer Handwerkerfamilie geboren. Noch während der Sozialis­ten­gesetze fand er Anschluss zur sozialdemokratischen Bewegung, deren Zentralismus und Autoritarismus jedoch bald zu einem Bruch führten. Durch die Bewegung der Unabhängigen kam er in Kontakt mit anarchistischen Ideen, agitierte viele seiner sozialdemokratischen Mitstreiter und gründete in den 1890er Jahren die erste anarchistische Gruppe in Mainz. Aufgrund politischer Verfolgung verließ der Neunzehnjährige Rocker schließlich seine Heimat, um nach Paris zu gehen.

Der Rudolf Rocker-Stadtführer unternimmt eine Reise durch Mainz und spürt dabei vergessene Winkel auf. Persönliche Orte, wie das Wohnhaus der Familie Rocker, sowie Wirkungsstätten des frühen Sozialisten, etwa das Vereinslokal der Unabhängigen, lassen nicht nur Geschichte greifbar und lebendig werden. Sie lassen die Leserin und den Leser auch die frühe Entwicklung und Sozialisation des Anarcho-Syndikalisten nachvollziehen. Zugleich bietet die Broschüre einen Einblick in die lokalen Verhältnisse der zeitgenössischen sozialistischen Bewegung und ist damit Quelle eines beispielhaften Kapitels der sozialdemokratischen Geschichte: Eines frühen Ausschlusses revolutionärer Ideen durch dog­matische Parlamentarier.

Die Broschüre ist online unter https://www.syndikat-a.de/index.php?article_id=2&cat=4278&prod=4433 erhältlich, in Mainz in den Buchhandlungen Cardabela (Frauenlobstr. 40) und Bukafski (Kur­fürstenstr. 9) sowie in Frankfurt im Infoladen des ExZess (Leipziger Straße 91; Anm. ab voraussichtlich 13.3.).

Als Begleitprogramm bietet die Autorin am 26.03. und 09.04. um 14 Uhr Stadtrundgänge in Mainz an. Weitere Infor­ma­tionen und Anmeldung per E-Mail unter mainz@syndikalismusforschung.info.

Über die Publikation

Proletarisches Mainz. Der Rudolf Rocker-Stadtführer“ ist eine Publikation des Instituts für Syndika­lis­mus­forschung und erscheint in der Reihe Edition Syfo. Das Institut für Syndikalismusforschung mit Sitz in Bremen verfolgt die Aufgabe, die praktischen Aktivitäten der syndikalistischen Bewegung auf his­to­risch-theoretischer Ebene zu begleiten. Dazu gehören die Tätigkeitsbereiche: Forschen, Archivie­ren, Publizieren, sowie die Bera­tung im Sinne freiheitlich-emanzipatorischen Wirkens.

Emmelie Öden: Proletarisches Mainz. Der Rudolf Rocker-Stadtführer. Edition Syfo Nr. 8. Mainz 2017.

32 Seiten. Mit 14 Farb- und 6 s/w-Abbildungen sowie einer Übersichtskarte. Preis € 2,50.

Über die Autorin

Die 25-jährige gebürtige Bremerin Emmelie Öden lebt und studiert seit 2012 in Mainz. Autodidak­tisch widmet sie sich der Geschichte des Syndikalismus und Anarchismus und arbeitet in diesem Rah­men eng mit dem Insti­tut für Syndikalismusforschung zusammen.