Newroz 2017 in Frankfurt

erstellt von NAV-DEM — zuletzt geändert: 2017-03-17T13:57:35+02:00
Die diesjährige zentrale Newrozfeier findet in Frankfurt am Main statt. Die Veranstaltung ist aus mehreren Gründen von besonderer Bedeutung:

Am 16. April findet in der Türkei das Referendum zur Änderung der Verfassung statt, wo die Opposition weder in den gleichgeschalteten Medien noch im öffentlichen Raum für ein "Nein" zu Erdogans Präsidialdiktatur werben kann. Hunderte Politiker und 13 Abgeordnete der HDP sitzen im Gefängnis, Stadtverwaltungen in den kurdischen Regionen des Landes wurden unter Zwangsverwaltung gestellt, im Südosten wird ein offener Krieg gegen die kurdische Bevölkerung geführt und auch in Europa werden Gegner der AKP-Politik eingeschüchtert und bedroht. 6000 Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes in Deutschland stehen Erdogan zu Diensten, in DITIB-Moscheen wird ungestraft Spionage betrieben.

Die Bundesregierung trägt für die katastrophale Situation auch deswegen Mitverantwortung, weil sie wegen des Flüchtlingsdeals viel zu lange geschwiegen hat. Selbst nach der Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel und Erdogans Faschismusvorwürfen an die Adresse der Bundesregierung lässt diese sich weiter von der türkischen Regierung vorführen und die deutsche Öffentlichkeit nimmt dies mit zunehmendem Unverständnis und Zorn zur Kenntnis.

Als im November letzten Jahres bundesweit Menschen gegen die Verhaftung der HDP-Spitze auf die Strasse gingen, war es selbstverständlich, dass sie die Fahnen der kurdischen Jugend-, der Frauenbewegung, oder der nordsyrischen PYD mit sich führten.

In Frankfurt aber erleben wir seit Sommer letzten Jahres, wie sich das Ordnungsamt gegenüber den Kurden zum verlängerten Arm Erdogans machen lässt: Das Mitführen von Fahnen legaler kurdischer Organisation wurde verboten, ebenso das Rufen bestimmter Parolen; die gleichen Auflagen gelten nun auch für den 18. März. Als Redner treten sowohl der HDP-Abgeordenten Ertuğrul Kürkçü als auch den PYD-Kovorsitzende Salih Muslim auf.

Aufruf:

Newroz 2017: Nein zur Diktatur - Ja zu Demokratie und Freiheit

Millionen Menschen feiern am 21. März Newroz als Beginn des Neuen Jahres und des Frühlings. Das kurdische Volk begeht Newroz gemäß der Legende, nach welcher der Schmied Kawa den Tyrannen Dehaq besiegte und so jahrhundertelanger Unterdrückung ein Ende bereitete, als Fest des Friedens, der Freiheit und der Demokratie. Diese Werte sind Grundfeste einer jeden Gesellschaft und aktuell mehr denn je in Gefahr. Die entschlossene und gemeinsame Verteidigung jener Werte und ein klares Nein zu Krieg und Diktatur stehen daher im Fokus des diesjährigen Newroz.

Krieg und Diktatur kennzeichnen den Mittleren Osten. Mit den Maßnahmen nach dem fragwürdigen Militärputsch vom 15. Juli 2016 haben Erdogan und seine Entwicklung, insbesondere auch vor dem Hintergrund ihrer Kooperation mit islamistischen Gruppierungen. Im Fokus stehen hierbei die progressiven Errungenschaften der Kurden und ihrer regionalen Verbündeten. Dabei ist das Modell der demokratischen Föderation Nordsyrien mit ihren demokratischen, ökologischen und gendergerechten Prinzipien das Zukunftsmodell für die gesamte Region. Der türkische Staat transferiert die Polarisierung der Gesellschaft und Einschüchterung von Oppositionellen als Teil der Kriegsführung auch nach Deutschland. Die jüngsten Enthüllungen rund um die vom türkischen Geheimdienst eingesetzten Agenten und Auftragskiller sowie die an die staatliche türkische Religionsbehörde angeschlossenen DITIB-Moscheen sind Beispiele hierfür.

Am 16. April diesen Jahres, in Europa bereits Ende März, soll das Volk über die Verfassungsänderung als Gefolgschaft die Türkei endgültig in eine Diktatur geführt. Sämtliche Rechte und Freiheiten sind per Dekret außer Kraft gesetzt, dutzende Kommunen in den kurdischen Gebieten unter Zwangsverwaltung gestellt, gewählte Politiker, darunter auch Abgeordnete der progressiven HDP, inhaftiert und mit den jüngsten Verfassungsänderungen das parlamentarische System de jure unterminiert. Bereits vor dem Putsch hatte die türkische Regierung den Dialog für eine politische Lösung der kurdischen Frage im Gefolge ihrer Verluste bei den Parlamentswahlen aufgekündigt und der Krieg in Kurdistan war eskaliert. Hunderte Zivilisten wurden getötet und ganze Stadtteile durch die Armee systematisch zerstört.

Parallel zu diesen Entwicklungen im Inland forciert die Türkei auch ihre Expansionspolitik in den Nachbarstaaten Syrien und Irak, eine nicht nur für die Region gefährliche Expression der Präsidialdiktatur abstimmen und nach dem Willen Erdogans sowie seiner AKP/MHP-Gefolgschaft auch ein klares Signal für die Wiedereinführung der Todesstrafe setzen.
Wir Kurdinnen und Kurden werden bei diesem Referendum gemeinsam mit allen demokratischen, fortschrittlichen Kräften klar Stellung beziehen: gegen Diktatur, Krieg und Ausbeutung, für Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und Demokratie. Schließlich geht es um universelle Werte, um die höchsten Güter der Menschheit, die es mit aller Kraft zu verteidigen gilt.
Lassen Sie uns in diesem Sinne am Samstag, 18. März 2017, in Frankfurt anlässlich unserer Newrozkundgebung gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen.

http://www.navdem.com/de/newroz-2017-nein-zur-diktatur-ja-zu-demokratie-und-freiheit/

Die Newrozfeier findet in der Europaallee statt. Es wird zwei Demozüge (um 10.00 Uhr) geben. Die eine Demo startet an der Alten Oper und die andere an der Bockenheimer Warte.

PROGRAMM:
★ Cewad Merwanî (mit Rojan - Zeyno)
★ Mehmet Akbaş 
★ Kurdnewa Music Group 
★ Tahsin Xidir (Êzîdischer Sänger)
★ CELOVIZ (Hip-Hop)
★ Acustica orient balkan band
★ Koraya bakûrê Almanya - Tevçand (Tevçand Chor aus Norddeutschland)
★ Koraya zarokan - Tevçand (Tevçand Kinderchor)
★ Govend (Tanz)
★ Sinevizyon (Dokumentaion)

REDEBEITRÄGE:
★ Co-Vorsitzende des Nav-Dem e.V (Veranstalter)
★ Salih Muslim (Co-Vorsitzender der PYD)
★ Rebwar Rashed (Co-Vorsitzender der KNK)
★ Ertuğrul Kürkçü (Sprecher der HDK)
★ Mülkiye Birtane (Mitglied der HDP)
★ verschiedene Gastredner*innen

NAV-DEM - Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e. V.
Navenda Civaka Demokratîk ya Kurdên li Almanyayê 

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