Rettet Afrin! Stoppt die türkische Aggression!

erstellt von Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane — zuletzt geändert: 2018-03-18T18:24:38+01:00
Dr. Michael Wilk, Mitglied der Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane berichtet aus Nordsyrien und fordert dringend Unterstützung für Hilfsorganisationen.

"Ich spreche mit Menschen, die gerade aus Afrin eingetroffen sind. Die Lage ist katastrophal, die Luftangriffe durch die türkische Luftwaffe und der Beschuss reißen nicht ab. Es gibt zahlreiche Verletzte und Tote, auch unter der Zivilbevölkerung, auch Frauen und Kinder. Beschossen wird auch das Zentrum sowie das Krankenhaus, bei dem u.a. die Apotheke der Einrichtung getroffen wurde. Tausende sind auf der Flucht, die Wege zur Stadt werden ebenfalls phasenweise beschossen. Rettungswagen von heyva sor a kurd, dem kurdischen roten halbmond, wurden beschossen und getroffen.

Entgegen der Behauptung der türkischen Regierung, die Zivilbevölkerung schonen zu wollen, ist diese dem Bombenterror schutzlos ausgeliefert. Offensichtlich wird alles versucht, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Selbstverteidigungseinheiten der YPG haben die Menschen der Stadt über die Lautsprecher der Minarette aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Sie stellen sich den türkischen Truppen und ihren fundamental-islamistischen Söldnern entgegen.

Protestiert, demonstriert, tut alles was euch möglich ist ! Helft! Mehr Druck auf die deutsche Regierung die weiter Erdogan mit Waffen und Geld unterstützt! Dem Terror ein Ende setzen! 

Dr. Michael Wilk, Quamishlo, den 17.03.2018

Mit Beginn der türkischen Offensive gegen Afrin entsandte der Kurdische Rote Halbmond (Heyva Sor a Kurdistan) aus Cesire (auch Cizire genannt, Kanton im Westen Nordsyriens) mehrere Rettungswagen mit Besatzung nach Afrin, um die dort tätigen Rettungskräfte zu verstärken.

Cemila Heme, Co-Vorsitzende von Heyva Sor, ist soeben nach zweimonatigem Aufenthalt in Afrin in Quamishlo eingetroffen. Die Erschöpfung ist ihr anzusehen, sie berichtet über andauernden Beschuss und Bombardierungen durch die türkische Luftwaffe. Nach der Zerstörung der umliegenden Ortschaften durch die vorrückende türkische Armee und ihrer zum Teil aus fundamentalistischen-djihadistischen Söldnern bestehenden Hilfstruppen befinden sich mehrere hunderttausend Menschen in der Stadt. Seit Tagen schlagen Bomben im Zentrum der Stadt ein, auch das Krankenhaus der Stadt wurde angegriffen und getroffen, so wurde u.a. die Apotheke der Klinik schwer beschädigt. Zahlreiche Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, wurden getötet. Schon vor dem forcierten Beschuss der Stadt starben über 300 Zivilisten. Die Zahl der Opfer stieg in den letzten Tagen durch den Beschuss der Innenstadt extrem an, Leichen liegen in den Straßen. Viele Menschen wurden durch den Beschuss und die Bombardements unter den Trümmern der zusammengestürzten Häusern begraben. Helfer und Verletzte werden weiter beschossen, ein verletztes Kind wurde vor den Augen der nahenden Retter von einer Bombe zerrissen.

Hunderttausende Menschen sind dabei die Stadt zu verlassen, die kurdischen Selbstverteidigungskräfte der YPG/YPG haben die Bewohner über die Lautsprecher der Moscheen aufgefordert, die Stadt zu verlassen, berichtet ein Geflohener. Eine medizinische Versorgung ist nicht mehr gegeben, ebenso ist schon seit geraumer Zeit die Wasserversorgung der Stadt durch gezielte Unterbindung durch türkische Kräfte gestoppt.

Auch die Fluchtwege aus der Stadt liegen im Feuerbereich türkischer Waffen, Hilfstransporte wurden in den vergangenen Tagen unter Feuer genommen, auch Rettungswagen der Kurdischen Roten Halbmonds wurden beschossen und getroffen. Die Menschen fliehen unter schwierigsten Bedingungen, zudem ist es kalt und regnerisch.

Cemila Heme fürchtet um das Leben Tausender, die unter diesen Umständen Afrin verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Da Afrin östlich der kurdisch kontrollierten Gebieten um Manbij (Minbij) und Kobane liegt, müssen sie das Gebiet des Assad-Regimes durchqueren, wenn sie nicht sowieso die Flucht in die im Westen der Stadt gelegenen kurdischen Stadtviertel Aleppos antreten, in denen das Assad-Regime herrscht.

Cemila berichtet, dass die fliehenden und verängstigten Menschen beim Betreten des Gebiets von Assad-Truppen gezwungen werden Geld abzugeben; der Preis für ein Menschenleben beträgt circa 1200 Dollar, ersatzweise auch Schmuck, wenn kein Geld vorhanden ist.

Die Flucht Hunderttausender wird sich massiv auf die Gebiete Kobane und Cesire auswirken. Die Unterbringung und Versorgung ist eine große Herausforderung, für die unter Embargo und Krieg leidenden Kommunen. Hilfsorganisationen benötigen dringend Unterstützung, um die Versorgung der Menschen sicher stellen zu können.

Dr. Michael Wilk, Quamishlo 17.3.2018

Michael Wilk befindet sich auf seiner siebten Reise in Nordsyrien/Rojava. Seit 2014 unterstützt er als Notarzt und Psychotherapeut den Kurdischen Roten Halbmond, Heyva Sor a Kurd. Die Hilfsorganisation leistet hervorragende Arbeit im Rettungswesen, betreibt/unterstützt Kliniken, Ambulatorien, sowie Apotheken und ist für die medizinische Versorgung zahlreicher Flüchtlingslager zuständig.

Wir bitten um Spenden auf das Konto von medico international: https://www.medico.de/tuerkische-militaers-vor-afrin-17005/