Rödelheimer Vermieter*innenpaar greift zu illegalen Entmietungspraktiken

erstellt von Rödelheim Solidarisch — zuletzt geändert: 2017-08-17T20:02:52+02:00
Mieter*innen wehren sich

Ein Vermieter*innenpaar aus Rödelheim kündigt vor einiger Zeit Eigenbedarf für ein vollvermietetes Mehrparteienhaus in Rödelheim an und verschickt Kündigungen an die Mieter*innen. Diese verfügen über bestehende Mietverträge, legen Widerspruch ein und bleiben - trotz miserablem Zustand des Hauses und menschenunwürdiger Wohnverhältnisse. Die Vermieter*innen fordern den Auszug der Mieter*innen zum 1. August, doch ein Dutzend Mietparteien verharrt in dem dringend sanierungsbedürftigen Haus - mangels Alternative. Nun greifen die Eigentümer*innen, teilweise selbst als Rechtsanwalt tätig, zu illegalen Entmietungspraktiken um die Mieter*innen zum Ausziehen zu bewegen: Nach wiederholten verbalen Drohungen und Einschüchertungsversuchen tauchen die Vermieter*innen am gestrigen Mittwoch (16. August) erneut im Haus Am alten See 19 auf, diesmal stellen sie die Warmwasserversorgung ein und montieren die Armaturen der Gemeinschaftsduschen ab. Die Mieter*innen wissen sich gegen solche gesetzeswidrigen Entmietungspraktiken zu wehren und haben heute morgen mit anwaltlicher Unterstützung einen Antrag auf einstweilige Verfügung zur Wiederherstellung der Warmwasserzufuhr und Wiederanbringung der Armaturen beim Amtsgericht Frankfurt beantragt. Dem Antrag wurde gerichtlich bereits stattgegeben, die Vermieter*innen sind nun gezwungen, das warme Wasser wieder anzustellen.

Die Mieter*innen werden unterstützt von der Stadtteilinitiative Rödelheim Solidarisch. Deren Ziel ist es, sich bei Problemen mit Vermieter*innen und anderen Alltagsproblemen im Stadtteil gegenseitig zu unterstützen, strukturelle Ursachen öffentlich zu machen und politisch dagegen aktiv zu werden. Schlechte Wohnverhältnisse von unteren Einkommensgruppen und Menschen in prekären Lebenslagen sind in Frankfurt ein stadtweites Problem, für das die Stadt politische Verantwortung trägt. Illegale Entmietungspraktiken und mangelnde Instandhaltungen von Mietshäusern werden hier weder ausreichend verfolgt noch werden die am Wohnungsmarkt diskriminierten Personen vor manifester Armut oder Obdachlosigkeit geschützt. Rödelheim Solidarisch macht auf diesen eklatanten Fall von Mietwucher und die Rausschmissversuche von Mieter*innen in unserer Nachbarschaft aufmerksam und fordert die Stadt auf, endlich ihrer Verantwortung nachzukommen, eine soziale Wohnraumversorgung für alle zu garantieren sowie Mietwucher und unwirksame Kündigungsversuche zu ahnden, um Obdachlosigkeit zu verhindern.

Rödelheim Solidarisch, 17.08.2017