"Zum Tod von Bernd Aretz"

erstellt von Dr. Achim Kessler — zuletzt geändert: 2018-10-30T19:20:49+01:00
Mit Bernd Aretz verlieren die Schwulenbewegung und die AIDS-Hilfen in Deutschland einen streitbaren Kämpfer.

"Bereits am vergangenen Dienstag verstarb Bernd Aretz im Alter von 70 Jahren in Frankfurt am Main. Mit Bernd Aretz verlieren die Schwulenbewegung und die AIDS-Hilfen in Deutschland einen streitbaren Kämpfer. Seine Waffe im Kampf gegen Vorurteile, gegen Ausgrenzung und Hass war das Wort, wohlgezielt aufklärerisch, oft mit drastischer Provokation, aber nie verletzend", erklärt Achim Kessler, hessischer Bundestagsabgeordneter und Obmann der Fraktion DIE LINKE. im Gesundheitsausschuss.

"Seit den 80er Jahren trat Bernd als einer der Ersten entschieden der Diffamierung, Ausgrenzung und Kriminalisierung von Menschen mit HIV durch Teile der politischen und medialen Öffentlichkeit entgegen. Seit meiner Studienzeit in Marburg kannte ich Bernd als jemanden, der stets für die Anerkennung von Lebensrealitäten durch ihre Sichtbarmachung eintrat.

Auch als Fachanwalt für Sozialrecht stritt er für die materielle Absicherung von Menschen als Grundlage eines selbstbestimmten Lebens. Sein Engagement für AIDS-Hilfe in Verantwortung der Betroffenen selbst ist gesundheitspolitisch kaum zu überschätzen. Dieser Ansatz hat maßgeblich dazu beigetragen, die Ausgrenzung von Menschen mit HIV zurückzudrängen und mit einer erfolgreichen Präventionsarbeit die Zahl der Neuinfektionen mit HIV zu senken.

Auch persönlich habe ich sehr viel von Bernd gelernt. Oft habe ich das erst viel später bemerkt. Ich kenne keinen Menschen, der wie Bernd im gleichen Maße extrovertiert, tiefgründig und überlegt ist. Er wird nicht nur mir fehlen."

Dr. Achim Kessler
Mitglied des Deutschen Bundestags
Obmann im Ausschuss für Gesundheit
Sprecher für Gesundheitsökonomie der Fraktion DIE LINKE.

Presseinformation, Frankfurt, 30. Oktober 2018