Gefühlserbschaft und Erinnerungskultur.

erstellt von Haus am Dom — zuletzt geändert: 2018-04-05T11:50:54+01:00
Die generationenübergreifenden Folgen des Nationalsozialismus. Vortrag von Dr. Jan Lohl (Sigmund-Freud-Institut).
  • Wann 19.04.2018 ab 19:30 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Haus am Dom, Domplatz 3
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Zwischen 1933 und 1945 hatte sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung mit den völkischen Zielen des Nationalsozialismus und seiner Politik gegenüber als »minderwertig« oder »lebensunwert« erklärten Menschen identifiziert. Viele Deutsche partizipierten emotional an den Größenphantasien der »Volksgemeinschaft« ebenso wie an expansiver Gewalt. Sie führten sich im NS-Alltag nicht nur Juden oder politischen Gegnern, sondern auch denjenigen gegenüber wie Herrenmenschen auf, die körperliche oder psychische Krankheiten und Beeinträchtigungen hatten oder unter einem entsprechenden Verdacht standen.

Was aber wurde nach 1945 aus diesen Identifizierungen und den sie begleitenden Gefühlen und Phantasien? Der Vortrag zeichnet die psychosozialen Nachwirkungen von kollektiven Größenphantasien und einer Hass- und Vernichtungsbereitschaft in Familien von nationalsozialistischen »Volksgenossen« nach. Deutlich wird, dass diese Gefühlserbschaften maßgeblich eine Erinnerungskultur fördern, die um das (aggressive) Vergessen der NS-Opfer kreist und deren Leid nicht anerkennt. Genau dies trägt zur andauernden (sequentiellen) Traumatisierung der Überlebenden und vermutlich noch von deren Nachkommen bei. Daran an schließt die Frage nach der Bedeutung nationalsozialistischer Gefühlserbschaften für die Entwicklung rechtsextremer Orientierungen in der Gegenwart.