Gerechtigkeit ohne Gefängnis und Polizei

erstellt von AK KnastKritik — zuletzt geändert: 2018-09-03T19:00:43+01:00
Lesung und Diskussion mit Melanie Brazzell
  • Wann 15.09.2018 ab 19:30 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Klapperfeld, Klapperfeldstraße 5
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Unter Berufung auf das Sicherheitsversprechens des Staates werden derzeit bundesweit die Befugnisse der Polizei ausgebaut. Das bayerische Polizeiaufgabengesetz, das wesentliche Grundrechte der Privatsphäre beschneidet und es erlaubt, Personen auf unbestimmte Zeit festzuhalten, ohne dass diese eine Straftat begangen haben müssen, ist dabei kein Einzelfall. Auch in Hessen wurde soeben unter der schwarz-grünen-Landesregierung ein Gesetz verabschiedet, das den Einsatz des Staatstrojaners zur Überwachung von Handys und Computern erlaubt. Insofern stellt sich natürlich die Frage, was sich dem entgegensetzen lässt.
Ein Ansatz, der über eine Kritik an der Verschärfung polizeilicher Befugnisse hinausgeht, und das Sicherheitsversprechen des Staates bzw. der Polizei ganz in Frage stellt, findet sich in der Idee der transformativen Gerechtigkeit. Es basiert auf der Annahme, dass Techniken wie Polizei, Gefängnis und Grenzen Gewalt (re)produzieren, anstatt sie zu beenden.
Wenn uns Polizei und andere Sicherheitsinstitutionen aber keine wirkliche Sicherheit geben können, sondern das Gegenteil bewirken, welche Möglichkeiten gibt es dann? Wie können wir selbst Sicherheit schaffen und den Begriff "Sicherheit" für uns zurückgewinnen?

Diesen Fragen ist Melanie Brazzel nachgegangen und hat nun das Toolkit "Was macht uns wirklich sicher?" herausgegeben. Am Beispiel von sexualisierter und Partner_innengewalt stellt das Toolkit heraus, dass wir zwischenmenschliche Gewalt in Verquickung mit staatlicher Gewalt verstehen müssen, um sie angemessen aufzuarbeiten und zu bekämpfen. Um dies zu erreichen, schlägt die Mitbegründerin des Berliner Kollektivs "Transformative Justice" einen Ansatz intersektionaler transformativer Gerechtigkeit vor: er besteht aus verschiedenen Experimenten von community-basiertem Umgang mit zwischenmenschlicher Gewalt jenseits des Staates und dessen Straflogik.

Zu der Veranstaltung sind alle eingeladen, ihre kreativen, sci-fi-Visionen von echter Sicherheit zu teilen, um eine Zukunft ohne Gewalt und Bestrafung zu entwerfen. Es wird eine kleine Kunstaktion vor und während der Lesung geben.

Moderation: Daniel Loick; Kinderbetreuung stellen wir auf Wunsch gerne bereit, bitte kurz per Mail anmelden.

Am darauffolgenden Tag, den 16. September, wird es zudem einen Workshop gemeinsam mit Copwatch geben. Da die Teilnehmer*innenzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per Mail an knastkritik-ffm [at]riseup.net.