Kundgebung zum Prozessauftakt von Adil Demirci

erstellt von Informations- und Aktionsbüro Rhein/Main — zuletzt geändert: 2018-11-16T14:39:40+01:00
Seit sieben Monaten ist der Kölner Sozialwissenschaftler und Journalist Adil Demirci in der Türkei inhaftiert. Die aktuellen politischen Ereignisse, im Hinblick auf die deutsch-türkischen Beziehungen / Verhandlungen sowie die andauernde gängige Praxis der Kriminalisierung von Oppositionellen in der Türkei wollen wir zum politischen Diskurs dieser Veranstaltung machen.
  • Kundgebung zum Prozessauftakt von Adil Demirci
  • 2018-11-19T17:00:00+01:00
  • 2018-11-19T18:00:00+01:00
  • Seit sieben Monaten ist der Kölner Sozialwissenschaftler und Journalist Adil Demirci in der Türkei inhaftiert. Die aktuellen politischen Ereignisse, im Hinblick auf die deutsch-türkischen Beziehungen / Verhandlungen sowie die andauernde gängige Praxis der Kriminalisierung von Oppositionellen in der Türkei wollen wir zum politischen Diskurs dieser Veranstaltung machen.
  • Wann 19.11.2018 von 17:00 bis 18:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Hauptbahnhof Frankfurt, Kaisersack
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Am 20.11.2018 beginnt Adils Gerichtsprozess in der Türkei. Adil Demirci ist einer von vielen Journalist*innen, die für ihre Berichterstattung und regierungskritische Meinung bestraft werden. In einem rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren würde Adil sicher freigesprochen werden, das Erdogan-Regime setzt aber alles daran, die demokratische und die kurdische Opposition mit dem Vorwurf des "Terrorismus" zu diskreditieren und hinter Gittern zu bringen. So wird Adil vorgeworfen, als Journalist „Mitglied einer terroristischen Organisation“ zu sein.

Nach der überraschenden Aufhebung der Ausreisesperre für Mesale Tolu, welche für die gleiche Nachrichtenagentur wie Adil Demirci arbeitet, wächst die Hoffnung, dass auch Adil nach seinem Gerichtstermin im November 2018 wieder zurück nach Deutschland ausreisen darf.

Seit der Inhaftierung von Adil Demirci hat sich der Solidaritätskreis „Freiheit für Adil Demirci“, bestehend aus Familienangehörigen, Freunden und Arbeitskolleg*innen von Adil, gegründet. Jeden Mittwoch organisiert dieser eine Mahnwache am Wallraffplatz in Köln und fordert die Freilassung sowie die sofortige Ausreisegenehmigung nach Deutschland. In Frankfurt, wo Adil auch zeitweise gelebt hat, kennt man ihn als politisch und sozial engagierten Menschen.

Wer ist Adil Demirci?
Adil ist 32 Jahre alt und lebt in Köln. Als 6-jähriger wanderte er mit seinen Eltern nach Deutschland ein. Er hat neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit.
Adil studierte Sozialwissenschaften an der Universität Duisburg- Essen, aktuell arbeitet er bei dem Jugendmigrationsdienst des IB (Internationaler Bund) in Remscheid. Dort berät und unterstützt er traumatisierte junge Geflüchtete bei der Suche nach beruflichen und schulischen Perspektiven. Als Mitglied der Gewerkschaft ver.di engagiert er sich auch für den Betriebsrat und für seine ArbeitskollegInnen. Außerdem arbeitet Adil als freier Journalist und Übersetzer für die Nachrichtenagentur ETHA, bei der auch Mesale Tolu arbeitet.

Was passierte mit Adil Demirci?
Adil reiste gemeinsam mit seiner krebserkrankten Mutter für einen 1-wöchigen Urlaub in die Türkei. Er begleitete sie, damit sie sich von ihrer Chemotherapie erholen und ihre Familie besuchen konnte. In der Nacht zum 13.04.2018, einen Tag vor der Rückkehr nach Deutschland, stürmten bewaffnete Spezialeinheiten die Wohnung seines Onkels. Sie führten eine Razzia in der Wohnung durch - erfolglos. Adil Demirci wurde von der Spezialeinheit der Polizei festgenommen. Gründe hierfür wurden nicht genannt. Er wurde in das türkische Hochsicherheitsgefängnis Silivri gebracht.
In Silivri sind hauptsächlich RegierungskritikerInnen und Oppositionelle inhaftiert, quasi ein Internierungslager für AKP- und Erdogan-GegnerInnen. Bekannte Personen, wie z.B. Deniz Yücel, Peter Steudtner, Can Dündar und Suat Corlu (Ehemann von Mesale Tolu), waren ebenfalls in Silivri inhaftiert. Wie bei allen RegierungskritikerInnen und Oppositionellen in der Türkei, lautet auch bei Adil der Vorwurf der türkischen Justiz:
Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und Terrorpropaganda. Konkret wirft der türkische Staat Adil Demirci vor, an drei Beerdigungen in den Jahren 2013, 2014, 2015 teilgenommen zu haben. Diese waren Beerdigungen von Menschen, die im Kampf gegen den Islamischen Staat und somit gegen den Terror, der weltweit gefürchtet ist, gestorben sind. Wie lange die Untersuchungshaft von Adil dauern bzw. wann sein Prozess in der Türkei fortgeführt wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht klar.
Adil Demirci ist ein vielfältig politisch interessierter Mensch:
gesellschaftskritisch, hinterfragend, analysierend, sozial und human.
Er ist ein demokratischer und friedensliebender Mensch und hat sich immer schon gegen Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten und für die Menschenrechte eingesetzt.
Die Politik des AKP-Regimes unter der Führung von Recep Tayyip Erdogan zu kritisieren, stellt keinen Terrorismus dar. Genau aus diesem Grund ist und bleibt Adil Demirci unschuldig und sitzt derweil als ein weiterer Journalist und als eine weitere politische Geisel in einer türkischen Haftanstalt. Dies können, wollen und werden wir nicht hinnehmen.

Zur Situation in den türkischen Gefängnissen:
Gesundheitlich geht es Adil Demirci den Umständen entsprechend gut.
Er bekommt weiterhin keine Post aus Deutschland. Nur eine geringe Anzahl der Briefe erreicht ihn, weil die Gefängnisleitung sie konfisziert.

Die Dekrete des autokratischen Staatspräsidenten Erdogan bezüglich der Gefängnisse machen uns Sorgen. Erdogan möchte eine einheitliche Gefängniskleidung einführen. Zehntausende politische Gefangene wie Adil Demirci sollen braune Hosen und Jacketts tragen. Erdogan kündigte diese mit den Worten an: „Ab jetzt können sie nicht einfach kommen und anziehen, was sie wollen. Auf diese Weise werden sie der ganzen Welt bekannt gemacht“. Die politischen Gefangenen betrachten dies als einen Angriff auf ihre Würde und ihre politische Identität. Aus vielen Gefängnissen haben politische Gefangene bereits den Widerstand hiergegen angekündigt.

Veranstalter: IAB Informations- und Aktionsbüro Rhein/Main und IZ Internationales Zentrum