"Vom DP-Camp Föhrenwald nach München und Frankfurt"

erstellt von Initiative 9. November — zuletzt geändert: 2018-08-25T12:00:42+01:00
Lesung und Diskussion zum Thema Displaced Persons mit dem Theaterkollaborativ Futur II Konjunktiv und Esther Alexander-Ihme.
  • Wann 23.09.2018 ab 16:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Hochbunker, Friedberger Anlage 5-6
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Die ersten Jahre nach der Shoah waren eine Zeit der Widersprüche und des Dazwischen für die jüdischen Überlebenden, von denen sich viele nach ihrer Befreiung bzw. der Rückkehr aus der Sowjetunion ausgerechnet in Deutschland, zumeist in der amerikanischen Besatzungszone, wiederfanden, um ein neues Leben zu beginnen – oder zunächst einen Ort zu finden, wo sie ein neues Leben beginnen konnten. Erstmals nach Jahren wurde ihr Handeln nicht durch Verfolgung, Zwangsarbeit oder KZ bestimmt, sondern sie hatten die Möglichkeit, wieder selbst ihr Leben zu entwerfen - mit den bleibenden physischen und psychischen Folgen der Verfolgung. An diesem Nicht-Ort Deutschland und mittellos bis auf ihre Erfahrungen, Bildung und Kenntnisse lebten viele der Überlebenden nun wie Flüchtlinge. Sie waren vor den Deutschen gerettet, aber noch nicht in ein neues Leben entkommen.

Das Theaterkollaborativ Futur II Konjunktiv hat im April 2018 in München das Recherchestück nicht von hier irgendwo über die Lebenssituation der jüdischen DPs von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur Schließung des letzten DP-Camps Föhrenwald 1957 aufgeführt. Es basiert auf einer intensiven Materialrecherche sowie Interviews mit Überlebenden. Zudem führte Futur II Konjunktiv mit einigen ehemaligen Föhrenwaldern Gespräche, die als Kinder in DP-Camps waren und heute in Frankfurt und München leben.

Im Bunker werden Ausschnitte aus dem ersten Teil des Stücks, der sich mit Föhrenwald auseinandersetzt, vorgestellt und gelesen. Die besondere Situation in Föhrenwald als letztem DP-Camp, die Veränderungen, die der Umzug nach München und Frankfurt für die Föhrenwalder mit sich brachte und die Gestaltung der neuen Lebenssituation werden im Zentrum der Lesung stehen. Thema ist auch die wichtige Rolle, die das Jiddische als verbindende Sprache der Überlebenden aus verschiedenen, vor allem osteuropäischen Ländern spielte.

Im Anschluss findet mit den Beteiligten ein Gespräch über die Aufführung und Recherche statt.

FUTUR II KONJUNKTIV arbeitet an der Erforschung sozialer und politischer (Wert-)Verhältnisse der Gegenwart und Zukunft sowie an der Entwicklung neuer Erzählformen. Das Theaterkollaborativ wurde 2014 von dem Autor Matthias Naumann und dem Regisseur Johannes Wenzel gegründet. Seitdem Arbeiten in unterschiedlichen performativen Bereichen und wechselnde Zusammenarbeiten mit anderen Künstler*innen. Die Aufführung nicht von hier irgendwo entstand in Kooperation mit HochX – Theater und Live Art München sowie dem Fritz Bauer Institut und wurde gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“.

Seit 2016 zeigt die Initiative im ersten Stock des Hochbunkers die Ausstellung „Vom DP-Lager Föhrenwald nach Frankfurt in die Waldschmidtstraße“ (So. 11-14 Uhr).

Zeitzeugengespräche und Lesungen begleiten und ergänzen sie und führen das Projekt fort.

Der Eintritt ist frei; die Initiative freut sich über Spenden.

Es wird empfohlen, warme Kleidung zu tragen. Der Bunker ist auch im Sommer kalt.