EU Taxonoie: Nachhaltigkeit nur ohne Atomenergie und Erdgas möglich

erstellt von IPPNW — zuletzt geändert: 2021-09-16T11:19:23+02:00
Offener Brief an die Spitzenkandidat*innen zur Bundestagswahl

In einem offenen Brief an die Spitzenkandidat*innen mehrerer demokratischer Parteien, forderte die internationale Ärzt*innenorganisation IPPNW in einem Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen heute Erdgas und Atomenergie in der bevorstehenden Entscheidung zur EU-Taxonomie nicht als nachhaltig einzustufen. Die Glaubwürdigkeit des gesamten Green Deals und insbesondere der Taxonomie hänge von dem Beschluss ab, so die Organisationen. Gleichzeitig könne die Entscheidung die Einhaltung der Pariser Klimaziele und damit die Bewältigung der Klimakrise untergraben.

„Erdgas ist ein fossiler Energieträger und heizt wie Kohle oder Öl das Klima weiter an. Atomenergie verursacht schon mit dem Uranabbau verheerende Umweltzerstörung, setzt auch im Normalbetrieb Strahlung frei und stellt uns vor die unlösbare und ungelöste Lagerung von hochradioaktiven Abfällen. Nichts davon entspricht den Kriterien die die Taxonomie vorgibt. Atomenergie oder Erdgas als "nachhaltig" zu bezeichnen würde der EU-Taxonomie somit jegliche Glaubwürdigkeit nehmen“, betont Dr. med. Angelika Claußen, Co-Vorsitzende der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW).

Die EU-Taxonomie ist ein mächtiges Förderinstrument, welches bestimmen soll, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig deklariert werden und welche nicht. Investitionen in Erdgas und Atomenergie würden somit im Falle einer Aufnahme in die Taxonomie steigen. Gleichzeitig würden weitere Anreize für private und öffentliche Anlagen geschaffen. Dadurch könnte auch die Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren durch fehlende Gelder ausgebremst werden.

„Atomenergie oder Erdgas in die Taxonomie aufzunehmen, würde eine von der EU gebilligte Fehlinvestition darstellen. Somit würden wichtige finanzielle Ressourcen wider besseren Wissens in veraltete Industriezweige gesteckt werden. Zu Lasten des Gemeinwohls verschleppt sich dadurch der Ausbau der erneuerbaren Energien. Ein finanzielles Nachhaltigkeitslabel für Atomenergie und Erdgas wäre damit eine Farce“, unterstreicht Claußen. Aus diesem Grund habe Deutschland Atomenergie nicht in ihre Sustainable-Finance-Strategie aufgenommen.

Große Teile der Finanzwelt sehen die Taxonomie und ihre Glaubwürdigkeit durch die Inklusion insbesondere der Atomenergie gefährdet. Auch eine übergroße Mehrheit von 82 Prozent der deutschen Bevölkerung findet Anlagen in Atomenergie nicht nachhaltig.

Den Brief unterzeichneten: IPPNW, Deutsche Umwelthilfe, urgewald, Bürgerbewegung Finanzwende, ElektrizitätsWerke Schönau, Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz, Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien Regensburg, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Forum Friedensethik (FFE) in der Evangelischen Landeskirche in Baden, Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren, Menschenrechte 3000 e.V., Uranium Network

Lesen Sie den gesamten offenen Brief hier:
http://ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Taxonomie_Verbaendebrief_Spitzenkandidatinnen_21.pdf

Pressemitteilung 15.09.2021