Lokale Initiativen veröffentlichen Aufruf „Fünf Punkte gegen Corona“

erstellt von Beta.KollektivGut.Kiosk — zuletzt geändert: 2021-04-02T16:56:41+02:00
Alternativen zur Ausgangssperre in Offenbach gefordert

Am 01.04.2021 veröffentlicht das Offenbacher Kollektiv Beta.KollektivGut.Kiosk das Kurzprogramm "Fünf Punkte gegen Corona". Sie fordern darin anlässlich der neu verhangenen nächtlichen Ausgangssperren in Offenbach eine soziale Alternative zur von der Stadt geplanten Repression. Zu den Erstunterzeichner*innen gehören unter anderem die lokalen Initiativen: LOS - Offenbach Solidarisch, ASVI -Aufklärung statt Verschwörungsideologien, We Need Homes Frankfurt, of*base und "FAO -Feministisch Antifaschistisch Offenbach.

Schon im Dezember letzten Jahres hatten einige der Initiativen den Offene Brief "Lockdown für Lohnarbeit statt Ausgangssperre" veröffentlicht, welcher medial viel Aufmerksamkeit erreicht hatte.

Die Pressesprecherin des Beta.KollektivGut.Kiosk Anna Blume erläutert: „Es kann nicht sein, dass wir in unseren Privatleben alle Einschränkungen ertragen sollen, anstatt dass diese Herausforderung gesamtgesellschaftlich und solidarisch geschultert werden. Es darf nicht vergessen werden, dass nicht alle ein sicheres Zuhause haben."

Im Aufruf "Fünf Punkte gegen Corona" wird gefordert die tagtäglichen Kontakte und die allgemeine Mobilität durch bezahlten Sonderurlaub zu reduzieren, statt ausschließlich auf repressive Maßnahmen wie Ausgangssperren zu setzen. Zweitens fordern die Initiativen eine Verdopplung des Budgets für Frauenhäuser, um jenen, die Zuhause häufig nicht sicher sind, zuverlässige Fluchtorte bieten zu können. Drittens fordern sie den sofortige Stopp von Zwangsräumungen, sowie viertens die Auflösung von Massenunterkünften und stattdessen die Öffnung der Hotels für Bedürftige Menschen.

Abschließend fordern sie in ihrem Fünf-Punkte-Plan mehr öffentlichen, sozialen Raum. Straßen sollen vom Verkehr beruhigt werden um mehr Raum für risikoarme zwischenmenschliche Begegnungen zu ermöglichen und Infektionen durch überfüllte Parkanlagen vorzubeugen.

Pressesprecherin Anna Blume kritisiert: „Die von der Stadt Offenbach verhängte Ausgangssperre ist an Zynismus kaum zu überbieten. Tagsüber sollen wir uns auf der Arbeit anstecken, aber dürfen abends nicht mehr aus dem Haus?“

Der Aufruf "Fünf Punkte gegen Corona" betont, dass es nach über 75.000 Toten nötig sei, schnell zu handeln. Diese Notwendigkeit dürfe aber nicht ausgenutzt werden, um die Last auf die Schwächsten abzuwälzen. Diese haben vielmehr besonderen Schutz verdient. Angesichts einer Politik, der man kaum mehr Versagen unterstellen könne, sondern das bewusste in Kauf nehmen von zehntausenden Toten anrechnen müsse, appelliert Pressesprecherin Anna Blume: „Jede*r ist jetzt aufgerufen, sich beim kleinsten Verdacht auf ein Kratzen im Hals oder ähnlichem sofort krankschreiben zu lassen. Solidarität bedeutet nicht Härte gegen sich selbst, sondern eine geschärfte Empfindsamkeit für die Verletzlichkeit unserer Mitmenschen.“

Außerdem erinnert der Aufruf "Fünf Punkte gegen Corona" an die diskriminierenden Polizeimaßnahmen des letzten Jahres, die mit ursächlich für die Ausschreitungen auf dem Opernplatz in Frankfurt gewesen sind. Pressesprecherin Anna Blume bemerkt dazu: "Die Ausgangssperre ermächtigt eine hessische Polizei, die für Rassismus von Hanau bis zum NSU 2.0 bundesweit berühmt berüchtigt ist." und sagt weiter: „Wir können den Kampf gegen Corona nicht der Polizei überlassen, dafür ist er zu wichtig!"

Erstunterzeichner*innen:
• AStA Goethe Universität Frankfurt
• ASVI – Aufklärung statt
Verschwörungsideologien
• Beta.KollektivGut.Kiosk
• Elfriede Harth (Care-Revolution-Rhein-Main)
• FAO – Feministisch Antifaschistisch
Offenbach
• Initiative We Need Homes Frankfurt
• LOS - Offenbach Solidarisch
• of*base

Pressemitteilung 1.4.2021