Schrittweise Öffnung von Kitas – es wird Zeit für eine Qualitätsoffensive

erstellt von iaf e.V. — zuletzt geändert: 2020-04-30T11:22:16+02:00
Die schrittweise Öffnung könnte dazu dienen, differenzierte Angebote und Fördermaßnahmen auszuprobieren.

Die Kita- und Schulschließungen dauern bereits seit sechs Wochen an. Heute sollen von der AG- Kita der Länder und des Bundes Abstimmungen zu Lockerungen getroffen werden. Mit der begrüßenswerten Debatte sollte auch ein Nachdenken über die Umsetzung von seit langem geforderten Qualitätsstandards einhergehen.

„Wir wissen, dass die frühkindliche Entwicklung durch die Kitaschließungen massiv beeinträchtigt wird, gerade von schon vorher benachteiligten Kindern“, sagt Hiltrud Stöcker-Zafari vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften. „Umso mehr bietet sich nun in einer schrittweisen Öffnung die Chance, kreative und neue Ansätze im Kitaalltag umzusetzen.“ Nicht nur Schulen, auch Kindertageseinrichtungen hätten einen Bildungsauftrag und dieser ließe sich in der angedachten Öffnung mit Kleingruppen noch einmal ganz neu denken.

Es sei hinlänglich bekannt, dass die Zahl der Erzieher*innen, die eine Gruppe von Kindern betreuen, ein zentrales Qualitätsmerkmal sei, das sich auch auf das Wohlergehen der Kinder auswirke. Dies wurde im Zusammenhang mit dem Gute-Kita-Gesetz vergangenen Jahres im Hinblick auf Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen viel diskutiert. Bundesweit einheitliche Reglungen und verbindliche Qualitätsstandards wurden nicht erzielt. Jetzt sei es an der Zeit, hier nachzulegen.

„Es wäre sehr zu begrüßen, wenn in kleineren Gruppen mit individuellem Lehr- und Lernangeboten eine flexiblere Gestaltung des Kitalalltags umgesetzt würde. Und es wäre noch mehr zu begrüßen, wenn interkulturelle und mehrsprachige Aspekte Eingang in qualitative Überlegungen finden.“

Corona könne hoffentlich dazu anregen, Bildungsstrukturen neu zu denken und die seit langem bestehenden Forderungen umzusetzen.

Der Verband engagiert sich seit Jahrzehnten an den Schnittstellen von Familien-, Migrations-, Bildungs-, und„Die Corona-Pandemie hat bereits bestehende Probleme deutlich sichtbar gemacht und sie zeigt,

dass Kinder nicht als eigenständige Persönlichkeiten mit berechtigten Bedürfnissen wahrgenommen werden. Noch immer dominieren überwiegend wirtschaftliche Interessen die Debatten“, so Stöcker-Zafari. Sie stimme mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey überein, dass es schon skurril sei, wenn über die Bundesliga mehr diskutiert werde, als über Kinder.

„Es wird uns als Gesellschaft wenig nutzen, mit Milliardenbeträgen die Wirtschaft zu unterstützen, wenn im Bildungs- und Betreuungsbereich die Qualität und Kompetenz nicht mitzieht. Das wird uns in einigen Jahren auf die Füße fallen. Kinder und Familien sind systemrelevant und sie sollten nicht von den anderen Politikfeldern aus dem Blick verloren werden.“

Die Bildungs- und Qualitätsoffensive des Bundes und deren Umsetzung in den Ländern und Kommunen müsse neu gedacht werden. Die schrittweise Öffnung der Kitas kann nur in Abwägung mit dem Infektionsgeschehen erfolgen. Die schrittweise Öffnung könnte aber dazu dienen, differenzierte Angebote und Fördermaßnahmen auszuprobieren und stärker als bisher auf die individuelle Begleitung und Unterstützung des einzelnen Kindes einzugehen.

Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V., Pressemitteilung, 28. April 2020