Wir zeigen mit Stolz den „roten Winkel“

erstellt von FIR — zuletzt geändert: 2020-06-28T18:48:00+01:00
Das Symbol des gemeinsamen Handelns der Häftlinge in den deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern war der „rote Winkel“

Am vergangenen Wochenende gab es in den internationalen Medien Aufregung über den amerikanischen Präsidenten Trump. Selbst die Anti Defamation League kritisierte den Präsidenten, weil er ein Symbol des faschistischen KZ-Systems für seine politische Botschaft genutzt habe. Es ist unstrittig, dass der US-Präsident keinerlei Sensibilität für die Verfolgten des NS-Regimes besitzt, aber die mediale Kritik geht an dem eigentlichen Skandal vorbei.

Es ist nicht der Skandal, dass Trump für seine denunzierende Kennzeichnung antifaschistischer Gruppen den „roten Winkel“ der politischen und ausländischen Häftlinge in den Konzentrationslagern benutzt hat – der wirkliche Skandal ist sein nun mehrfach geäußerte Vorstoß, „die Antifa“ als terroristische Vereinigung verbieten lassen zu wollen. Das hätte kritisiert werden müssen. Trumps Vorstoß erfolgt, weil antifaschistische Organisationen seit mehreren Wochen die breiten und friedlichen Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA organisieren.

Dagegen hat die FIR schon vor drei Wochen deutlich erklärt: Antifa ist kein Terrorismus – Antifa ist kein Vandalismus!

Der Vorstoß des US-Präsidenten hat Vorbildfunktion auch für die extreme Rechte in Europa. Jaak Madison, ein 29-jähriger Abgeordneter im Europaparlament aus Estland und Vertreter der Fraktion Identität und Demokratie (ID) brachte im Namen seiner Fraktion einen Antrag ein, mit dem »die Antifa« auf die EU-Terroristenliste gesetzt werden soll. Gelder und Finanztransaktionen von Organisationen und Personen, die auf der „Blacklist“ stehen, werden eingefroren; ob die Gelisteten auch strafrechtlich verfolgt werden, ist nicht eindeutig geklärt. Angeblich habe »die Antifa« nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis auch in Europa zu Gewalt angestiftet, behauptet Madison.

Auch in Deutschland brachte die faschistische „Alternative für Deutschland“ (AfD) Ende vergangener Woche einen Antrag in den Deutschen Bundestag ein, „die Antifa“ als linksextremistische und terroristische Vereinigung verbieten zu lassen. Begründet wurde der Antrag von einem sächsischen Juristen, der schon in der Vergangenheit eine große Nähe zur neofaschistischen NPD gezeigt hatte. Das positive Signal ist, dass der AfD-Antrag mit großer Mehrheit – und auch mit Stimmen der CDU/CSU-Fraktion abgelehnt wurde.

Wir nehmen solche politischen Vorstöße der extremen Rechte in den USA, in Europaparlament und in anderen europäischen Ländern ernst. Die FIR und ihre Mitgliedsverbände weisen alle Diffamierungen und Angriffe auf antifaschistischen Organisationen und die Idee des Antifaschismus mit Entschiedenheit zurück.

Wir erklären deutlich: Unsere Organisationen stehen zur Tradition des antifaschistischen Kampfes. Das Symbol des gemeinsamen Handelns der Häftlinge in den deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern war der „rote Winkel“, den wir als Ehrenzeichen begreifen.

Ob im italienischen Verband der Deportierten ANED, im österreichischen KZ-Verband, im Logo der deutschen VVN-BdA und in vielen anderen Verbänden – der „rote Winkel“ ist unser gemeinsames Symbol, auf das wir stolz sind und mit dem wir die Tradition des antifaschistischen Vermächtnisses der Überlebenden an die jungen Generationen weitergeben. Die FIR und ihre Mitgliedsverbände, sowie antifaschistische Organisationen in der ganzen Welt können mit Stolz dieses Symbol vorzeigen.

Wer dieses Symbol denunziert, missachtet nicht allein die Opfer faschistischer Verfolgung, sondern will die Idee des Antifaschismus insgesamt denunzieren. Dagegen leisten wir gemeinsam Widerstand.

FIR - International Federation of Resistants Fighters, Association of Antifascists, 26. Juni 2020