Demokratie und Urteilskraft im digitalen Zeitalter. Am Beispiel von Chemnitz

erstellt von Institut für Sozialforschung — zuletzt geändert: 2018-12-17T11:14:32+00:00
Vortrag von Susanne Lüdemann. Die Eskalation der Ereignisse in Chemnitz im Sommer 2018 sind Anlass für grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Demokratie und Urteilskraft im digitalen Zeitalter.
  • Wann 09.01.2019 ab 19:30 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Zentralbibliothek, Hasengasse 4
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Bei der Eskalation der Ereignisse in Chemnitz nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. am 27. August 2018 haben Medien eine beträchtliche Rolle gespielt. Ein polizeilicher Haftbefehl, dem die Nationalität der Tatverdächtigen zu entnehmen war, kursierte im Internet. Rechte Gruppierungen riefen per Facebook und Twitter zu Demonstrationen gegen »Ausländerkriminalität« auf.

Linke Gruppierungen stellten ein Video ins Netz, das ausländerfeindliche »Hetzjagden« belegen sollte. Ein Regierungssprecher griff das Schlagwort auf. Der Präsident des Verfassungsschutzes bezweifelte gegenüber der Bild-Zeitung die Authentizität des Videos und äußerte den Verdacht, dass es sich um eine »gezielte Falschinformation« handeln könnte, um von dem »Mord in Chemnitz« (der Verhaftungsverdacht lautete auf Totschlag) abzulenken.

All das geschah im Verlauf weniger Tage und ohne dass der Öffentlichkeit über den Anlass oder die Umstände des Streits, in dessen Verlauf Daniel H. getötet wurde, irgendetwas bekannt gewesen wäre. Susanne Lüdemann analysiert die medialen Ereignisse und nimmt sie zum Anlass für einige grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Demokratie und Urteilskraft im digitalen Zeitalter.

Susanne Lüdemann lehrt Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Vortragsreihe »Demokratie und Wahrheit« des Instituts für Sozialforschung im Rahmen der Frankfurter Positionen 2019

Eintritt frei