Gemeinsam gegen rechten Terror und Rassismus

erstellt von we'll come united — zuletzt geändert: 2020-02-22T11:19:25+01:00
Hanauer Bündnis ruft auf zur bundesweiten Demonstration. „Die Gesellschaft der Vielen stellt sich dem Rassismus auf der Straße wie auch in den Ämtern entgegen“
  • Wann 22.02.2020 von 14:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Startpunkt: Freiheitsplatz Hanau
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In der Nacht zum Donnerstag wurden zehn Menschen in Hanau getötet. Viele weitere wurden schwer verletzt.

Wir trauern mit den Familien und Freund*innen um die Opfer dieser rassistischen Morde.

Wir sind wütend, dass so etwas in unserer Stadt passieren konnte.

Wir sind wütend über die rechte Stimmungsmache, die solche Taten möglich macht. 

Wir kämpfen weiter um gleiche soziale Rechte für Alle, gegen jede rassistische Hetze und Ausgrenzung und gegen jede Abschiebung. 

„Die Gesellschaft der Vielen stellt sich dem Rassismus auf der Straße wie auch in den Ämtern entgegen“, betont Newroz Duman von der Initiative und hält fest: „Wir werden diese Menschenverachtung überwinden.“

„Die Öffentlichkeit schaut jetzt auf Hanau. Für uns alle heißt es aber: Es ist Zeit für Migrantifa. Überall. Kommt zur bundesweiten Demonstration“, schließt Duman. 

Hinweise zur Anreise:
Die Auftaktkundgebung in Hanau startet um 14 Uhr am Freiheitsplatz - das ist am zentralen Busbahnhof in der Hanauer Innenstadt.
Ab spätestens 13.30 Uhr wird der Busverkehr dorthin allerdings eingestellt werden, weil der Platz sonst nicht groß genug sein wird. Das betrifft dann auch die Busverbindungen vom Hanauer Hauptbahnhof.
Wer also über den Hanauer Hauptbahnhof kommt - der einige Kilometer außerhalb der Innenstadt liegt - sollte entweder etwas früher anreisen, oder zum Hanauer Westbahnhof weiterfahren. Von dort sind es maximal 10 Minuten zu Fuß bis zum Freiheitsplatz.

Wer nicht nach Hanau kommen kann, ist zu gleichzeitigen dezentralen Protesten aufgerufen.

Die Initaitive zur Demonstration kommt von Betroffenen aus Hanau, dem lokalen Bündnis “Solidarität statt Spaltung", dem Internationalen Kulturzentrum Hanau e.V. - DIDF, Netzwerk We'll Come United, Tribunal ‘NSU-Komplex auflösen’ und wird von weiteren Initiativen und Bündnissen unterstützt.

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Aufruf nach Hanau (english below)

Nachdem Björn Höcke am vergangenen Montag zum Umsturz aufgerufen hat, ist Tobias R. in Hanau in sein Auto gestiegen und hat zehn Menschen ermordet, die in seinen Augen nicht-deutsch waren.

Diese Gewalt ist grauenvoll, aber nichts Neues, auch nicht, dass migrantische Menschen, Familien, Communities getroffen und nicht geschützt werden. Das kennen wir von den NSU-Morden, wir wissen es, seit Angehörige der Mordopfer 2006 eine Demonstration in Kassel organisierten und vom Staat ein Ende der rassistischen Mordserie forderten. Das milde Urteil im NSU-Prozess war dagegen eine Aufforderung an alle Nazis, weiter zu morden. Seitdem gab es unzählige weitere Anschläge und Morde gegen migrantische und jüdische Menschen.

Schon in Kassel, in Köln, in Frankfurt, in Duisburg, in Halle.. wussten wir, dass wir uns nicht auf den Staat verlassen können, sondern uns selber verteidigen müssen. Gegen eine Politik, die zwar nach Anschlägen betroffen ist, aber trotzdem nicht im Entferntesten soviel gegen den rechten Terror tut wie gegen Migrant*innen - die Toten im Mittelmeer sind die Brüder und Schwestern der Toten in Hanau.

Wir wissen, dass wir nicht auf die bauen können, die damals von Döner-Morden und heute von Shisha-Morden reden und von Fremdenfeindlichkeit statt Rassismus - oder die wieder einmal von verwirrten Einzeltätern fabulieren. Dass wir uns nicht auf eine Sensationspresse und die Politiker*innen verlassen werden, die jetzt wieder zum Spektakel nach Hanau anreist, aber die Warnungen und Erfahrungen nicht ernst nehmen, nicht hinhören und nicht handeln. Und es ist mehr als klar, dass die Hufeisentheorie eines Hans-Georg Maaßen nur dazu dient, rechten Terror und Hetze zu verharmlosen und antifaschistischen Widerstand dagegen zu schwächen.

Wir nehmen uns das Recht, uns selbst zu verteidigen. Wir fordern die solidarische Gesellschaft auf, mit uns für die Unversehrtheit unseres Lebens und unseren Zusammenlebens zu demonstrieren und uns dafür stark zu machen, dass den Nazis und Rassist*innen das Handwerk gelegt wird. Mit diesen Taten sind alle gemeint, aber getroffen werden wir.

Wir sagen aber auch, dass uns der Rassismus nicht vertreiben wird, sondern wir diese Gesellschaft für immer geprägt und verändert haben.

Für eine migrantische, jüdische, schwarze Perspektive. Für die Gesellschaft der Vielen. Das Problem heißt nicht Migration, das Problem heißt Rassismus.

Wir rufen und fordern alle dazu auf, auf die Familien und Angehörigen der Opfer zu schauen, ihre Stimmen zu hören, die Namen der Opfer zu nennen. Wir sind bei ihnen.

Migrantifa jetzt!

Samstag, 22.2. um 14 Uhr bundesweite Demonstration in der Hanauer Innenstadt.

Wer nicht nach Hanau kommen kann, ist zu gleichzeitigen dezentralen Protesten aufgerufen.

Mehr Infos auf Facebook bei We'll Come United (auch ohne Facebook-Account).

//ENGLISH

 

After Björn Höcke called for a coup last Monday, Tobias R. got into his car in Hanau and murdered ten people who were non-German in his eyes. 

This violence is horrible, but nothing new, not even that migrant people, families, communities are being hit and not protected. We are familiar with this from the NSU murders, we have known it since the families of the murder victims organised a demonstration in Kassel in 2006 demanding from the state to put an end to the racist series of murders. The merciful verdict in the NSU trial, on the other hand, was an encouragement to all Nazis to continue murdering. Since then there have been countless other attacks and murders against migrants and Jews.

Already in Kassel, in Cologne, in Frankfurt, in Duisburg, in Halle... we knew that we could not rely on the state, but had to defend ourselves. Against the political system that is concerned after attacks, but still doesn't do by far as much against the right-wing terror as against the migrants - the dead in the Mediterranean are the brothers and sisters of the dead in Hanau.

We know that we can't rely on those who have been talking about "Döner" killings then and who are talking about "Shisha" killings today, those who talk about “fear of foreigners” instead of naming racism - or who once again fantasize about disoriented single offenders. That we won't rely on a sensationalist press and the politicians who are now travelling to Hanau again to attend the spectacle, but who won’t take the warnings and experiences seriously, won't listen and won't act. And it is more than clear that the "horseshoe" theory of one of these Hans-Georg Maaßens only has the purpose to trivialize the right-wing terror and agitation - and to weaken the antifascist resistance against it. 

We are taking the right to defend ourselves. We are calling on the society in solidarity to demonstrate and to stand up with us for the integrity of our lives and of our coexistence and to fight for putting down Nazis and racists. 

With these attacks everybody is meant, but we are hit.

But we are also saying that racism will not chase us away, but that we have shaped and changed this society forever. 

For a migrant, Jewish, black perspective. For the society of the many. The problem is not migration, the problem is racism.

We call and urge everyone to turn their attention to the families and relatives of the victims, to hear their voices, to state the names of the victims. We stand with them.

We call for a nationwide demonstration in Hanau on Saturday at 14:00. Those who cannot come are called to hold decentralized protests at the same time. 

More information on facebook account of We'll Come United 

Migrantifa now!

Pressemitteilung, 20.02.2020