Tadmor: Ein syrisches Gefängnis

erstellt von medico international — zuletzt geändert: 2020-01-13T20:44:39+01:00
Film, Ausstellung und Diskussion mit Monika Borgmann aus Beirut.
  • Wann 30.01.2020 von 18:00 bis 22:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Osthafenforum im medico-Haus, Lindleystr. 15
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Tadmor ist der arabische Name für die syrische Stadt Palmyra - und für das berüchtigte Gefängnis in der Nähe der Stadt, das für Brutalität, Folter und Ermordung gefürchtet war. Einst von der französischen Mandatsmacht erbaut, erlangte es ab Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts traurige Berühmtheit, als der damalige syrische Präsident Hafez al-Assad, der sich 1970 an die Macht geputscht hatte, politische Gegner in diesem Gefängnis wegsperrte. Linke Oppositionelle saßen hier ein, ebenso wie viele Libanesen, die vor allem während des libanesischen Bürgerkriegs (1975 – 1990) verhaftet und hierhin verschleppt wurden.

Einige dieser ehemaligen libanesischen Häftlinge verarbeiteten im Jahr 2012 unter Leitung von Monika Borgmann und Lokman Slim ihre Haftzeit in einem Theaterstück, das auch in Deutschland zur Aufführung kam. Zwei Jahre später wurde daraus ein Dokumentarfilm, in dem ehemalige Häftlinge die Rolle der Gefangenen als auch die der Gefängniswärter selbst spielen.

Der mehrfach ausgezeichnete Film zeigt eindrucksvoll den Alltag in Tadmor, das Leid und die Hoffnungen, die Widerstandskraft und den Zusammenbruch der Gefangenen, die zum Teil nie erfuhren, warum sie inhaftiert wurden. Für die Darsteller eine Reise in die Vergangenheit, wirft der Film zugleich ein Licht auf die heutigen Zustände in Syrien: Tausende von Menschen sitzen aus politischen Gründen in Gefängnissen. Staatliche Verfolgung, Massenexekutionen, Folterungen und inhumane Haftumstände bestimmen den Alltag der Diktatur. Gefangenschaft ist bis heute ein zentrales Instrument der Machterhaltung.

TADMOR
Ein Film von Monika Borgmann & Lokman Slim
2016 |103 min | Lebanon-France-Switzerland-Qatar-United Arab Emirates | arabisch mit deutschen Untertiteln

DAMASCUS ROAD
Eine Ausstellung von Einzelportraits libanesischer Gefangener in Syrien, zusammengestellt von medico-Partner UMAM – Documentation & Research (Beirut).

INFO
Einlass um 18 h: Führung durch die Ausstellung
19 h Filmvorführung (arabisch mit deutschen Untertiteln)
Im Anschluss Gespräch und Diskussion (in deutscher Sprache) zur Geschichte von Gefangenschaft und ihrer Bedeutung im Libanon und Syrien bis heute. Mit der Regisseurin Monika Borgmann, moderiert von medico international.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Aufgrund begrenzter Sitzplätze findet die Veranstaltung am Mittwoch, 29.01.2020, und am Donnerstag, 30.01.2020, jeweils um 18 Uhr statt.