Weil ich nun mal hier lebe

erstellt von Museum für moderne Kunst — zuletzt geändert: 2019-02-24T17:56:17+00:00
Ausstellung bis 31. März 2019, geöffnet Di-So 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr. Die Ausstellung zeigt elf Positionen, die sich mit institutionellem Rassismus und struktureller Gewalt in Deutschland auseinandersetzen.
  • Weil ich nun mal hier lebe
  • 2019-02-26T11:00:00+01:00
  • 2019-02-26T23:59:59+01:00
  • Ausstellung bis 31. März 2019, geöffnet Di-So 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr. Die Ausstellung zeigt elf Positionen, die sich mit institutionellem Rassismus und struktureller Gewalt in Deutschland auseinandersetzen.

Die künstlerisch-dokumentarischen Arbeiten der Ausstellung nehmen immer wieder die Perspektive von Menschen ein, die von Rassismus betroffen sind und deren Wissen wie auch Erfahrungen vom behördlichen und medialen Diskurs häufig ausgeschlossen werden.

1. Želimir Žilnik
Inventur – Metzstraße 11, 1975
(9 Minuten, 16-mm-Film auf SD-Video übertragen, Farbe, Ton)
In einer einzigen Einstellung treten nacheinander 30 Bewohner_innen der Metzstraße 11 in München vor die Kamera und stellen sich vor. In unterschiedlichen Sprachen beschreiben und beurteilen sie kurz ihr derzeitiges Leben sowie ihre ganz unterschiedlichen Erfahrungen in Deutschland. Die meisten von ihnen sind als sogenannte Gastarbeiter_innen in die BRD gekommen und so gleicht das Treppenhaus dem Transitraum der BRD 1975.

2. Harun Farocki
Aufstellung, 2005
(16 Minuten, Video, s/w und Farbe, ohne Ton)
Mit grafischen Elementen aus Schul- und Geschichtsbüchern, aus Zeitungen und behördlichen Broschüren rekonstruiert Aufstellung von Harun Farocki eine Geschichte der Migration und Zuwanderung in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei geht es nicht um die Ereignisse selbst, sondern um die grafische Umsetzung statistischer Erhebungen zu Begriffen wie „Gastarbeiter“, „Spätaussiedler“, „Flüchtling“, „Asylant“.

3. Azin Feizabadi
Kryptomnesie, 2014
(73 Minuten, HD-Video, Farbe, Ton)
In Kryptomnesie von Azin Feizabadi setzen sich erlebte wie konstruierte und fiktionale Erinnerungen zu einer neuen Biografie zusammen. Erzählt wird die Geschichte einer Flucht aus Teheran ins Ruhrgebiet.

4. SPOTS. Audiovisuelle Mikro-Interventionen
zum Tribunal „NSU-Komplex auflösen“
Wie man zu einer Deutschen wird?, 2008/2017
(1:08 Minuten, Video, Farbe, Ton)
Was entsteht, wenn Menschen kontinuierlich als der/die „Andere“ eingeordnet werden? „Ich fühle mich eigentlich auch nicht mehr türkisch, aber ich muss mich türkisch fühlen“, resümiert die interviewte Frau.

5. SPOTS. Audiovisuelle Mikro-Interventionen
zum Tribunal „NSU-Komplex auflösen“
Weil ich nun mal hier lebe, 1995/2017
(0:56 Minuten, Video, s/w, Ton)
Was bedeutet es, zu (über)leben, während das eigene Recht auf Leben und gesellschaftliche Teilhabe von rechtsradikalen Gruppen angegriffen wird?

6. Erik van Lieshout
Rotterdam – Rostock, 2006
(17 Minuten, Video, Farbe, Ton)
Auf dem Fahrrad fährt Erik van Lieshout von Rotterdam nach Rostock. Soziale Bindungen, Solidarität oder gesellschaftliche Verbundenheit begegnen ihm nirgends. Lieshout zeichnet
eine Landschaft, in der eine von rassistischen Haltungen geprägte Normalität herrscht und die unbearbeitete Geschichte sowie die biografische Verlorenheit der Protagonist_innen deutlich wird.

7. Henrike Naumann
14 Words, 2018
(Ladeneinrichtung eines Blumengeschäftes aus Neugersdorf; 5 Minuten, Video, Farbe, Ton)
Neonlicht und eine kühle, fast einheitlich türkisfarbene Ausstattung geben der Installation 14 Words eine gespenstische Härte.

8. Hito Steyerl
Normalität 1 – X, 1999–2001
(36 Minuten, Video, s/w und Farbe, Ton)
Die Definitionshoheit darüber, was Normalität bedeutet, ist ein mächtiges gesellschaftspolitisches Instrument. Die Konstruktion von Normalität setzt den Rahmen dessen, was innerhalb einer Gesellschaft und ihres Wertesystems toleriert werden kann.

9. spot_the_silence
Ausgehend von den Morden des NSU-Komplexes, zeigen die Porträts der Gruppe spot_the_silence (Rixxa Wendland, Christian Obermüller) die lange Geschichte des Rassismus in Deutschland.

10. Trauerdemonstration „Kein 10. Opfer!", 2006
(11:38 Minuten, Video, Farbe, Ton)
Von 1998 bis 2011 beging die neonazistische Terror-Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zehn Morde, drei Bombenangriffe und 15 Überfälle.

11. Forensic Architecture
77sqm_9:26min, 2017
(27:22 Minuten, Video, s/w und Farbe, Ton; 15:14 Minuten, Video, Farbe, Ton)
2017 wurde das Kollektiv Forensic Architecture von der Gruppe „Tribunal NSU-Komplex auflösen“ beauftragt, die Zeugenaussage des ehemaligen Verfassungsschützers Andreas Temme im Mordfall Halit Yozgat zu überprüfen.

12. SPOTS. Audiovisuelle Mikro-Interventionen
zum Tribunal „NSU-Komplex auflösen“
Was würden Nazis niemals tun?, 2017
(2:36 Minuten, Video, Farbe, Ton)
Eine Umfrage auf den Straßen von Berlin: Welches Transportmittel benutzen Neonazis? Beharrlich schlägt die Moderation das Fahrrad vor, was von den Befragten als eine völlig abwegige Vorstellung beurteilt wird.

13. Natasha A. Kelly
Millis Erwachen, 2018
(47 Minuten, HD-Video, s/w und Farbe, Ton)
Reihe kurzer Filmporträts von acht Schwarzen deutschen Frauen. Die porträtierten Frauen geben Auskunft über ihre Biografie, ihre Projekte, ihre Erfahrungen in Deutschland und über den alltäglichen Rassismus und Sexismus, mit dem sie konfrontiert sind.

14. Emeka Ogboh
Sufferhead Original (Frankfurt edition), 2018
(0:50 Minuten, HD-Video, Farbe, Ton)
Sufferhead Original umfasst sowohl ein speziell für Frankfurt gebrautes Bier, das sich am Geschmack der in Deutschland lebenden Afrikaner_innen orientiert, als auch einen dazugehörigen Werbespot. Anhand des Klischees vom „blonden“, nach dem Reinheitsgebot gebrauten Bier werden rassistische Denkmuster offengelegt.

Eintritt: 8 € / 4 €, unter 18 J. und Studenten frei. Frankfurt-Pass und Geflüchtete 1 € (Nachweis).
Der Kauf eines Tickets berechtigt zu einem Zweitbesuch der Ausstellung.