„›Wehret den Anfängen‹ ist längst überholt!“

erstellt von Lautstark gegen Rechts — zuletzt geändert: 2018-10-02T13:04:46+01:00
Musikalische Großdemonstration gegen Hass und rechte Hetze in Frankfurt: 13. Oktober 2018, 13:30 Uhr, Baseler Platz, Frankfurt am Main

FRANKFURT · Das Bündnis #wirsindmehr Frankfurt aus über 25 Vereinen, Initiativen, Gewerkschaften und Parteien ruft für den 13. Oktober zu einer musikalischen Großdemonstration in der Mainmetropole auf. Das Bündnis möchte damit ein deutliches Zeichen setzen und sich dem Rechtsruck in Deutschland und Europa entschlossen entgegenstellen. Erwartet werden Musiker verschiedener Musikrichtungen und Rede-beiträge von Bündnispartnern und Zeitzeugen des Naziregimes.

„Es ist Zeit für einen Aufschrei von uns allen, einen unüberhörbaren, lauten Aufschrei, der bis in den letzten Winkel unseres Landes und der ganzen Welt widerhallt. […] Der Satz ›Wehret den Anfängen‹, ist längst überholt! Wir sind mittendrin.“1

Dies sagt Esther Bejarano, Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Sie erlebte, wie der Nationalismus immer offensichtlicher wurde, die Judenfeindlichkeit zunahm, die NSDAP bei den Reichstagswahlen 1930 18,2 Prozent der Stimmen erhielt und damit die zweitstärkste Partei wurde. Und sie erlebte, wie die NSDAP nur drei Jahre später die Macht im Land übernahm.

„Die Parallelen zur heutigen politischen und gesellschaftlichen Situation sind frappierend“, so Andreas Bender, Vorstandsmitglied des Frankfurter Vereines Lautstark gegen Rechts Rhein-Main. „Im September erreichte die AfD in einer repräsentativen Umfrage des ARD Deutschlandtrend erstmals 18 Prozent2 der Wählerstimmen. Und in drei Jahren steht wieder eine Bundestagswahl an.“

Den Wandel in Gesellschaft und Politik erkenne man aber nicht nur an Prozentwerten, fügt Shenja Kerepesi hinzu. Sie ist Vorstandsmitglied des Vereines The Second Planet, der gemeinsam mit Lautstark gegen Rechts Rhein-Main  zum Bündnis #wirsindmehr Frankfurt aufruft. „Millionen Menschen flüchten vor Krieg, Verfolgung, Gewalt, Folter und Hunger“, erklärt Kerepesi. „Doch im Mittelmeer entsteht ein Massengrab, weil Europa die Grenzen dicht macht und die Seenotrettung verbietet.“ Zudem würden Menschen immer öfter wegen ihres Aussehens, ihrer Religion oder ihrer Herkunft durch die Straßen gejagt. In Chemnitz sei ein jüdisches Restaurant vor den Augen der Polizei von Nazis angegriffen worden. Hitlergrüße und Holocaustleugnungen blieben viel zu häufig ohne Konsequenzen. „Die AfD marschiert gewaltbereit durch die Straßen und sät Hass und Hetze. Rassismus, Antifeminismus, Sexismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und LGBT*IQ-Diskriminierung breiten sich aus und Björn Höcke redet öffentlich in Rostock von »degenerierten Altgewerkschaften, verlotterten Amtskirchen und versifften Antifa«. Sind wir in 1930 angekommen?“, fragt Kerepesi.

Ein breites Bündnis

„Bis Dienstagabend hatten sich bereits 26 Gruppen dem Bündnis angeschlossen“, freut sich Andreas Bender. „Darunter Gewerkschaften, Parteien, Vereine und Initiativen.“3 Und täglich kämen neue Organisationen hinzu, die sich der AfD und dem Rechtsruck insgesamt entgegenstellen wollen.

Die musikalische Demonstration

Geplant ist eine Demonstration quer durch Frankfurt am Main, beginnend um 13:30 Uhr am Baseler Platz. Diese wird begleitet von mehreren LKWs, die als mobile Bühnen dienen. Von diesen aus sollen aber nicht nur Redebeiträge gehalten werden. Während der Fahrt sollen dort auch DJs, Rapper und Bands auftreten.

„Zum einen bieten wir politisch aktiven Menschen auf diese Weise die Möglichkeit, Spaß und Solidarität miteinander zu verbinden sowie politisch weniger aktiven Menschen eine ungezwungene Anlaufstelle zur Information. Zum anderen zeigen wir der Welt, wie viel Spaß man haben kann, wenn man nicht ausgrenzt, wenn man nicht diskriminiert und wenn man nicht hasst“, erläutert Andreas Bender von Lautstark gegen Rechts Rhein Main.

Am Zielort der Demonstration, vor Frankfurts Rathaus „Römer“, soll eine Bühne aufgebaut werden, auf der ebenfalls Redebeiträge gehalten und bis in den späten Abend Musiker auftreten werden. Auch Zeitzeugen des Naziregimes werden erwartet, die über die Parallelen zwischen den 1930er Jahren und dem Hier und Jetzt berichten.

13. Oktober 2018, 13:30 Uhr
Baseler Platz, Frankfurt am Main

 

Fußnoten:
1 Claudia Wrobel: „Gelebter Antifaschismus: Esther Bejarano“
http://www.rosa-luxemburg-konferenz.de/de/konferenz-2016/158-gelebter-antifaschismus-esther-bejarano
2 Die Zeit: „AfD laut Umfrage zweitstärkste Partei hinter der Union“
https://www.zeit.de/news/2018-09/21/afd-laut-umfrage-zweitstaerkste-partei-hinter-der-union-180921-99-53089
3 Mit Stand 30. September 2018, 18 Uhr, gehören folgende Gruppierungen dem Bündnis #wirsindmehr Frankfurt an:

  • · Aku Wiesbaden
  • · Antagon TheaterAKTion
  • · Aufstehen gegen Rassismus RheinMain
  • · Autonomes Queerfeministisches Schwulenreferat GU
  • · Bündnis90 / Die Grünen Frankfurt
  • · DGB Jugend
  • · DKP Frankfurt
  • · DIE LINKE. Hessen
  • · DIE LINKE. Kreisverband Frankfurt am Main
  • · Freie ArbeiterInnen Union (FAU) Frankfurt
  • · ILoveU DJ Crew
  • · Islamische Informations- und Servicedienstleistungen e.V. (Frankfurter islam. Gemeinde)
  • · Keine AfD in den Landtag
  • · Lautstark gegen Rechts
  • · Linksjugend [‚solid] Hessen
  • · NoDiscrimination
  • · Piratenpartei Frankfurt am Main,
  • · Protagon
  • · Seebrücke Frankfurt
  • · SPD Frankfurt
  • · Stadtteilinitiative Koblenzer Straße
  • · TagTanzDemo Kollektiv
  • · Tanzhaus West
  • · The Second Planet e.V.
  • · Traumfänger Kombinat
  • · Vegane Aktion Offenbach
  • · voice-design | Werbung, Design & Druck
  • · VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Frankfurt
  • · Wanderfrieden
  • · We‘ll Come United

Bündnis #wirsindmehr Frankfurt, Presseinformation 2.10.2018