7 Jahre Krieg in Syrien

erstellt von IPPNW — zuletzt geändert: 2018-03-23T19:29:56+02:00
Ärzteorganisation IPPNW fordert Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts

Vor dem Hintergrund des dramatischen Leidens der Zivilbevölkerung in Afrin und Ost-Ghouta appelliert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW an die Bundesregierung, jegliche Beteiligung am Krieg in Syrien einzustellen. Dazu gehören unter anderem Waffenlieferungen an die Türkei, an Saudi Arabien und an andere Länder in der Region sowie der Bundeswehreinsatz in Syrien, dessen Verlängerung morgen vom Bundestag beschlossen werden soll. Außenminister Heiko Maas solle sich gegenüber seinen KollegInnen in der NATO, in Russland und in allen Regierungen, die sich an den Kämpfen beteiligen, für ein Ende der Gewalt sowie die Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts einsetzen.

Insbesondere gegenüber der Türkei muss die Bundesregierung unmissverständlich klar machen, dass ihr Einmarsch in Afrin völkerrechtswidrig ist und den Rückzug der türkischen Truppen aus Syrien einfordern.

Deutsche Maßnahmen auf dem Weg zu einer friedlichen Konfliktlösung könnten beispielsweise eine Aufstockung der humanitären Hilfe, die Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen zur syrischen Regierung und die Aufhebung der Sanktionen sein, die vor allem die syrische Zivilbevölkerung treffen. Der Außenminister solle sich zudem für eine Fortführung der Friedensverhandlungen mit allen am Konflikt beteiligten Parteien einsetzen. Es gibt in Syrien vielversprechende Ansätze zur Versöhnung, Amnestieprogramme, Wiedereingliederungsprogramme von Kämpfern, Versöhnungskommittees und inzwischen über 2.500 lokale Waffenstillstände. Diese hoffnungsvollen Ansätze sollten unbedingt unter dem Dach der UNO gestärkt werden. Langfristig wäre die Errichtung einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten (KSZMNO) sinnvoll.

Seit sieben Jahren leiden die Menschen unter dem Krieg in Syrien. Er hat ca. 500.000 Leben gekostet (mehr als 200.000 davon sind ZivilistInnen).

6,1 Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben und 5,6 Millionen Geflüchtete suchten im Ausland Zuflucht, die meisten davon in den Nachbarländern. Ging es den Syrerinnen und Syrern vor dem Krieg vergleichsweise relativ gut,ist die Lage für die Zivilbevölkerung in Syrien laut UNHCR heute schlimmer denn je – 69 Prozent der Menschen fristen ein Dasein in extremer Armut. Der Anteil der Familien, die mehr als die Hälfte ihres Jahreseinkommens für Nahrung ausgeben, sei auf 90 Prozent angestiegen, die Preise für Lebensmittel seien im Durchschnitt achtmal höher als vor dem Krieg. Laut WHO sind von den öffentlichen Krankenhäusern (Stand: Januar 2018) nur etwa die Hälfte voll funktionsfähig. Ein Drittel sind zerstört, etwa die Hälfte davon vollständig. Laut Daten des syrischen Gesundheitsministeriums zählte das Land vor dem Krieg rund 31.000 ÄrztInnen, von denen jetzt etwa 15.000 ins Ausland geflohen sind.

Kinderarzt und IPPNW-Vorsitzender Dr. Alex Rosen erklärt dazu: „Der Krieg in Syrien geht diesen Monat ins 8. Jahr. Es gibt keine Familie in Syrien, die vom Krieg verschont geblieben ist. Was die Menschen in Syrien mehr als alles andere brauchen, sind schnelle und konsequente Schritte zur Beendigung der Gewalt sowie bedingungslose diplomatische Verhandlungen zur Beilegung aller Kampfhandlungen. Nur so kann humanitäre Hilfe die Menschen erreichen. Stattdessen gießen die Kriegsparteien weiter Öl ins Feuer. Deutschland spielt als NATO-Mitglied und drittgrößter Waffenexporteur eine verhängnisvolle Rolle.“

Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung, 21.3.2018

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