Cuba im Film

erstellt von Cuba-Gruppe im Dritte-Welt-Haus e.V, Frankfurt — zuletzt geändert: 2017-05-04T10:22:50+01:00
Willkommen zum 22. Festival „Cuba im Film“ vom 11. bis 20. Mai 2017 im filmforum höchst, Emmerich-Josef-Str. 46a.

„Nun ist er gegangen, manche sagen zur Hölle, andere sagen in den Himmel, aber er ist gegangen… Wer ihn gekannt hat, vermisst ihn, er war über Jahrzehnte eine große Persönlichkeit“ (Oliver Stone über Fidel Castro)

Kann der Tod des bedeutendsten lateinamerikanischen Politikers des letzten Jahrhunderts einen Prozess der Reflexion über das vielschichtige Erbe Fidels zur Selbstverständigung der kubanischen Gesellschaft über ihre künftige politische und gesellschaftliche Ausrichtung befördern, oder war sein Tod nur ein sentimentaler Moment im Leben der Kubanerinnen und Kubaner?

Eine Ära ist zu Ende gegangen und wir blicken noch einmal zurück: mit Filmen, die zeigen, wie groß das Interesse europäischer und amerikanischer Intellektueller und Filmschaffender in den ersten Jahren der Revolution an der Transformation der kubanischen Gesellschaft war.

Auch Cuba hatte ein Interesse an einer Öffnung „nach Westen“. Nach der missglückten US-Invasion in die Schweinebucht 1961, der von den USA verhängten Blockade, einer Störung des Verhältnisses zur UdSSR nach der Raketenkrise, versuchte Cuba in Westeuropa, vor allem in Frankreich, Partner zu gewinnen.

Ein Bemühen, das sich auch auf die kulturelle Ebene erstreckte und vor allem bei den französischen Intellektuellen und Kulturschaffenden, die sich von der Politik der PCF entfernt hatten und in der kubanischen Entwicklung einen Ansatz emanzipatorischer antiimperialistischer Politik sahen, eine starke Resonanz fand.

Agnès Varda erzählt in ihrem auf ihren Fotos basierenden Dokumentarfilm Salut les Cubains von 1964 in faszinierenden Bildern vom Alltagsleben der Kubaner/innen, von einem vibrierenden Havanna, von der beschwingten Körperlichkeit der Kubaner/innen, von der Zuckerrohrernte und mit einem leicht ironischen Unterton von den Reden Fidels.

Die positiven Aspekte der kubanischen Revolution unterstreicht auch der dänische Regisseur Theodor Christensen in seinem 1964 gedrehten Film Ella, in dem er verschiedene Aspekte der Situation der Frauen in Cuba, unter anderem ihr Engagement in den Milizen thematisiert.

Schließlich waren auch die Filmschaffenden des realsozialistischen Lagers in Cuba aktiv. So drehte der sowjetische Regisseur Mikhail Kalatozov (Wenn die Kraniche ziehen) den berühmt gewordenen Film Soy Cuba mit kubanischen Technikern und Schauspieler/innen.

Ebenfalls 1964 und ebenfalls mit kubanischen Technikern drehte der DDR Regisseur Kurt Maetzig seinen Film Preludio 11 als Koproduktion der Defa und des kubanischen Filminstituts ICAIC: Erzählt wird eine Agentengeschichte im kalten Krieg, in der natürlich die US-Amerikaner nicht die Guten sind.

Doch wie ist eigentlich der aktuelle Blick „von innen“ auf die kubanische Gesellschaft, wie wird diese heute von den Filmschaffenden auf der Insel gesehen? Die aktuellen Produktionen können auf unsere Eingangsfrage zwar noch keine Antwort geben, gleichwohl lassen sie erkennen, dass sich die kubanische Gesellschaft in einer Umbruchsphase befindet ...

Migration und Rückkehr, kulturelle Unterschiede zwischen den Weggegangenen und Daheimgebliebenen: das ist die Hintergrundfolie für Lester Hamlets Ya no es antes, der unser Festival eröffnen wird und der in Havanna auf dem Festival des neuen lateinamerikanischen Films den Publikumspreis gewann, ferner erhielt Hauptdarsteller Luis Alberto García den Preis für die beste männliche Hauptrolle. Regisseur und Hauptdarsteller werden in Frankfurt zu Gast sein.
Luis Alberto García, „das Gesicht des kubanischen Kinos“, wird außerdem Jessica Rodriguez‘ Episodenfilm Espejuelos Oscuros vorstellen, der sich unterschiedliche Momente der kubanischen Geschichte unterhaltsam, aber sehr offen vorknöpft.
Vientos en La Habana ist eine spanisch-kubanische Großproduktion von Felix Viscarret nach dem Buch „Vientos de Cuaresma“ – dt. Titel „Handel der Gefühle“ aus der Reihe „Havanna Quartett“ des kubanischen Erfolgsautors Leonardo Padura, der sich mittels der Hauptfigur Mario Conde immer leidenschaftlich mit „seiner“ kubanischen Gesellschaft auseinanderzusetzen pflegt, wird ebenfalls bei uns von Luis Alberto García vorgestellt.

Patricia Ramos hingegen präsentiert mit El techo auf vergnügliche Weise Vertreter einer jungen Generation, die versuchen, sich mit den neuen Möglichkeiten für kleine Selbständige vertraut zu machen, mit ihrer Idee, mit einer Pizzeria reich zu werden, jedoch gnadenlos baden gehen. Ihr erster langer Spielfilm kam beim Publikum in Havanna sehr gut an. Wir freuen uns, die Regisseurin bei uns begrüßen zu dürfen.

Der international bekannteste kubanische Filmemacher Fernando Pérez ist leider aufgrund von Dreharbeiten verhindert, doch wir sind stolz darauf, seinen neuen Film – so wie alle seine Filme zuvor – bei uns präsentieren zu können. Últimos días en La Habana lebt von der Spannung zwischen den beiden Protagonisten – der eine siechend, aber innerlich voller Lebensfreude; der andere ist äußerlich fit, aber scheint innerlich nur noch von seinem Traum von der Auswanderung am Leben erhalten zu werden. Últimos días en La Habana lief auf der Berlinale, bei den anderen genannten Produktionen handelt es sich um Deutschlandpremieren.

Programm siehe bei Termine oder bei www.cubafilm.de