Die (nicht-)Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die digitale Welt ...

erstellt von AG der Frankfurter Gymnasialpersonalrät — zuletzt geändert: 2018-09-04T18:49:22+02:00
Arbeitsgemeinschaft der Frankfurter Gymnasialpersonalräte zum Thema Ausstattung mit IT an Frankfurter Schulen

Die Personalräte der Frankfurter Gymnasien beobachten mit wachsender Empörung die Entwicklung im Bereich der IT-Ausstattung der Frankfurter Schulen.

Sowohl in Politik als auch in den Medien wird immer wieder - zu Recht - gefordert, die Kinder und Jugendlichen für die digitale Welt zu rüsten. Nicht selten wird dabei auf die Lehrerinnen und Lehrer verwiesen, deren Aufgabe und Verantwortung es ist, ihre Schülerinnen und Schüler auf die vielfältigen Anforderungen einer digitalen Welt vorzubereiten, oft mit der Aufforderung, sich entsprechend fortzubilden und auf die Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft einzustellen.

Wenn das das zentrale Problem wäre, wäre ihm wohl leicht abzuhelfen. Lehrerinnen und Lehrer bilden sich zu diesem Thema zunehmend fort, viele sind aufgeschlossen, technisch versiert und offen für neue Konzepte - scheitern aber an den Arbeitsbedingungen in ihren Schulen. Kultusminister Herr Professor Lorz hat die Ausstattung der hessischen Schulen mit digitalem Equipment, auch mit WLAN und Tablets in der Presse groß angekündigt, und auch die Stadt Frankfurt hat pressewirksam ein Projekt mit Modellschulen, die mit WLAN ausgerüstet werden sollten, veröffentlicht. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Kollegien der bisher äußerst mäßig ausgestatteten Schulen haben sich gefreut.

Der ist-Zustand widerspricht allerdings den Lobeshymnen, die Stadt und Land ausgerufen haben. Tatsächlich beklagen die meisten Frankfurter Gymnasien (und unserer Kenntnis nach gilt dies für die meisten Frankfurter Schulen auch anderer Schulformen), eine unzureichende, teilweise desolate Ausstattung mit technischem Equipment.

Es gibt Schulen, die für bis zu 30 Klassen zwei PC und Laptop-Einheiten zur Verfügung haben, die man sich reservieren muss, um immerhin einmal einer Klasse Zugang zu den Möglichkeiten eines PCs zu bieten. Die Reservierungsliste für diese Einheiten ist bis Weihnachten gefüllt...

Den Schulen wurde eine alle 5 Jahre stattfindende Neustattung mit IT zugesagt. Von einer Erfüllung dieser Zusage sind wir weit entfernt: Bestellungen und Nachfragen werden zum Teil schlichtweg nicht bearbeitet, andere Schulen beklagen, dass die Neuausstattung nur Tastatur und PC beinhaltet. Bildschirme, Beamer und andere notwendige Geräte, ohne die die Arbeit mit den PC in den Klassen nicht stattfinden kann, müssen vom viel zu kleinen IT-Schulbudget selbst erworben werden.

Installationen und Reparaturen sind teilweise teurer als die Geräte selber, so dass die Anschaffung aus dem vorhandenen Budget vielleicht gerade noch gelingt, die Beamer dann aber verpackt in der Kiste liegen bleiben. Auch stellte sich an den Schulen, die in den Osterferien mit PCs neu ausgestattet worden sind, heraus, dass die Geräte fehleranfälliger sind und häufiger gewartet werden müssen.

Schildbürgerverdächtige Bürokratie ist dann ein weiteres Hindernis auf dem Weg in digital gestützten Unterricht: der Wartungsablauf ist dezentraler organisiert und deutlich umständlicher geworden: die zwei unterschiedlichen Anbieter, die sich jeweils um Hard/Software kümmern, müssen von der Schule über die Stadt beauftragt werden, diese Wege führen nach jeder Fehlermeldung zu einem umständlichen Procedere, so dass es oft Wochen dauert, bis ein einfacher Mangel - der übrigens in fast jeder Schule durch ein paar kompetente Kollegen behoben werden könnte, was natürlich untersagt ist - einfach nicht oder Wochen (Monate!) später behoben wird (siehe Bild). Die Planung von Unterricht mit digitalen Medien birgt für die Kolleginnen und Kollegen so immer das Risiko, dass gute Ideen an nicht funktionierendem Equipment scheitern, so dass sich natürlich kaum jemand auf solch unzuverlässige Technik für eine ganze Einheit verlassen wird - und sie folglich auch nur punktuell eingesetzt wird.

Ein besonderes Ärgernis ist das werbewirksame Projekt der Stadt Frankfurt, einige Modellschulen mit WLAN auszustatten. Nach den Pressemitteilungen - und unter hohem Zeitdruck durch die Stadt - haben sich die Lehrerinnen und Lehrer auf den Weg gemacht, Konzepte für die Nutzung solcher digitalen Möglichkeiten zu erarbeiten. Eltern- und Schülervertreter sowie Gremien wurden in die Schulen bestellt um die Räumlichkeiten in Augenschein zu nehmen und Möglichkeiten zu diskutieren. All dies generierte eine unglaubliche Menge an Mehrarbeit - die Kolleginnen und Kollegen, die sich mit viel Elan an die pädagogische Umsetzung begeben haben, wurden jedoch bitter enttäuscht: Die zunächst großzügig scheinenden Zusagen für großflächig angelegtes WLAN verengten sich im Laufe der Zeit auf die Zusage einiger weniger WLAN Access Points mit einer eher geringen Reichweite, so dass sie nicht so genutzt werden können wie in den Konzepten vorgesehen und z.B. auf einige Naturwissenschaftsräume beschränkt werden mussten - was derzeit aber noch unerheblich ist, das der aktuelle Stand der Dinge anscheinend der Folgende ist: das WLAN kommt überhaupt nicht oder "irgendwann". Hat man vergessen, es in den Haushalt einzustellen?

Eine Schule hat ihren Computerraum aufgegeben zu Gunsten der zugesagten tablets - die sie aber nie bekommen hat. Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Engagement mit den Möglichkeiten, die diese Ausstattung eröffnet hätte, auseinandergesetzt haben, können über diese Schildbürgerstreiche nur noch verzweifelt den Kopf schütteln.

Innovative Ideen, sorgfältig ausgeklügelte Konzepte sowie moderner und der digitalen Welt angepasster Unterricht versanden angesichts der Fehlplanungen der Stadt im Nichts und hinterlassen frustrierte Kollegien, die sich fragen, ob man mit Papier und Tafelkreide nicht schlussendlich doch auf der sichereren Seite sei.

Die Personalräte der Frankfurt Gymnasien bedauern, dass digitale Kompetenz und pädagogisches Engagement in den Kollegien derart verschwendet werden und fordern die Stadt auf, ihren Versprechungen endlich nachzukommen und die Schulen auf eine Art und Weise auszustatten und zu betreuen, mit der man zukunftsorientiert arbeiten kann.

 

Arbeitsgemeinschaft der Frankfurter Gymnasialpersonalräte, Pressemitteilung, 27. 8. 2018