Das Klimapaket: Noch immer zu wenig, zu langsam, zu spät

erstellt von Scientists for Future Frankfurt — zuletzt geändert: 2019-12-20T15:35:27+02:00
Fazit aus der Vortragsreihe "Das Klimapaket – Zu wenig, zu langsam, zu spät? Analysen und Diskussionen"
In der Vortragsreihe "Das Klimapaket – Zu wenig, zu langsam, zu spät? Analysen und Diskussionen" wurden über die letzten sechs Wochen offenen Fragen des Klimapakets gemeinsam mit Wissenschaftlern diskutiert. Nach einer differenzierten Betrachtung stellen wir fest:

"Ein Sommer, wie er 2018 herrschte, könnte bald ein relativ kühler Sommer sein im Vergleich zu den Sommern, die uns bevorstehen. Für Indien werden Hitzewellen mit Temperaturen über 50°C erwartet, für die Region am Persischen Golf regelmäßig Temperaturen von 60°C! Die Konsequenzen für das Leben in diesen Regionen sind heute kaum vorzustellen, Kriege und Migration in ungekanntem Ausmaß werden als Folgen erwartet. Gleichzeitig zeigen einfache Rechnungen, dass das Klimapaket der Bundesregierung bei weitem nicht ausreicht, um Deutschlands Beitrag zum 1,5°C-Ziel zu leisten." (Prof. Dr. Joachim Curtius, Goethe-Universität Frankfurt)

"Schon jetzt kann man sagen: In den letzten 10 Jahren wurde auf der ganzen Welt insgesamt mehr in Stromerzeugung aus Sonne investiert als in jede andere Stromerzeugungstechnologie. Kohle eingeschlossen. Der Wandel ist da, aber die Geschwindigkeit reicht nicht. Jetzt brauchen wir in Deutschland nicht so dringend Subventionen, sondern schnell einen Strommarkt, der die Erneuerbaren gut aufnehmen kann." (Prof. Dr. Ulf Moslener, Frankfurt School of Finance and Management)

"Nach den Prognosen des Bundesverkehrswegeplan 2010 sollte der Benzinpreis aus Klimaschutzgründen im Jahr 2019 etwa 1,90 €/Liter betragen und bis 2030 um weitere 90 ct/Liter auf etwa 2,80 €/Liter angehoben werden. Selbst bei dieser Benzinpreiserhöhung wurde aber nur eine CO2-Minderung um 22% bis zum Jahr 2030 erwartet. Die aktuellen Beschlüsse zum CO2-Preis sind also im Verkehr vollkommen wirkungslos und betragen bis zum Jahr 2025 nicht etwa 10 ct/Liter, sondern inflationsbereinigt nur 2,5 ct/Liter." (Prof. Dr.-Ing Christian Holz-Rau, TU Dortmund)

"Beiträge der Landwirtschaft zum Klimaschutz stehen im Zielkonflikt zu anderen Aufgaben und Herausforderungen, wie Ernährungssicherung, Umwelt- und Tierschutz. Digitalisierung und Biotechnologie können dazu beitragen, diese Zielkonflikte aufzulösen oder zu verringern. Landwirtschaft und Zivilgesellschaft müssen dazu interne wie externe Diskursprobleme überwinden." (Prof. Dr. Alfons Balmann, Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien)

"Die Einführung eines CO2-Preises in den Sektoren Wärme und Verkehr ist wichtig, aber auch der Preis von 25 € pro Tonne im Jahr 2021 mit einem schrittweisen Anstieg auf 55 € pro Tonne bis 2025 ist zu niedrig, um die für die Einhaltung der Pariser Klimaziele erforderliche Lenkungswirkung zu erzielen und liegt weit unter den durch den Treibhausgasausstoß entstehenden gesamtgesellschaftlichen Schäden. Durch die angekündigte Reduktion der EEG-Umlage werden ärmere Haushalte jedoch stärker entlastet als in der ursprünglichen Version des Klimapakets." (Prof. Dr. Grischa Perino, Universität Hamburg)

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Empfehlungen der Wissenschaft systematisch unterbewertet und teilweise auch ignoriert werden. Daher bekräftigen wir die Forderung der Scientists for Future vom 23. 9. 2019 und fordern die deutsche Bundesregierung "dringlich auf, ihre Maßnahmen wirksam an den notwendigen, wissenschaftlich gut belegten Erfordernissen auszurichten."
 
Scientists for Future Frankfurt, Pressemitteilung, 20. Dezember 2019