Partnerschaft zwischen Kobanê/Rojava in Syrien und dem Kreis Herford

erstellt von Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane — zuletzt geändert: 2019-07-09T10:54:06+00:00
Kreistag beschließt partnerschaftlichen Austausch
am 05.07.2019 beschloss der Kreistag von Herford (NRW) mit den Stimmen aller Fraktionen (SPD, CDU, Bündnis 90/Grüne, DIE LINKE, FDP, Freie Wähler, Piraten) - mit Ausnahme der AfD - die erste offizielle Partnerschaft mit dem nordsyrischen Kanton Kobane. Dem Beschluss ging eine jahrelange Informations- und Überzeugungsarbeit voraus. Wir gratulieren den Initiator*innen!

Mögliche Partnerschaft zwischen Kobanê/Rojava in Syrien und dem Kreis Herford

Der Kreis Herford steht bei all seinen partnerschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen für Solidarität, Austausch, Frieden und dem wesentlichen Ziel das Verständnis der Bevölkerung für verschiedene Kulturen und Lebensweisen zu erweitern und zu fördern.

Die Initiative Partnerschaft der Regionen Kobanê/Rojava (Nordsyrien) und Herford, die Initiative für Frieden und Hoffnung in Kurdistan e.V. sowie der Ausschuss für Mission und Ökumene im Kirchenkreis Herford, sehen die Notwendigkeit, Hilfsperspektiven für die nordsyrische Region zu schaffen und den Wunsch der dortigen Bevölkerung nach Gleichberechtigung und Verbesserung der Lebensqualität durch Frieden, Demokratie und Zukunftsperspektiven zu unterstützen.

Daher möge der Kreistag beschließen, dass

  1. eine Partnerschaft mit Kobanê/Rojava grundsätzlich positiv beurteilt wird und
  2. der Landrat beauftragt wird, die Rahmenbedingungen für das Eingehen einer solchen Partnerschaft zu klären und
  3. die möglichen Formen der Partnerschaft zu definieren.

Begründung:

Die Probleme um den Frieden in Syrien bestehen bereits seit den Massendemonstrationen gegen das reaktionäre Assad-Regime in Folge des „Arabischen Frühlings“ seit 2011. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzung verschiedener Gruppen die bis heute andauern. Insbesondere die massive Unterdrückung des türkischen Staates gegenüber der kurdischen Bevölkerung hat dafür gesorgt, dass das während der Zuspitzung des Konfliktes in Syrien entstandene Machtvakuum vom kurdischen Befreiungskampf genutzte wurde.

Seit Beginn der Konflikte dominiert in unseren Medien auch überwiegend das Bild der „armen, rückständigen und unterdrückten Frau des Nahen Ostens“. Die Situation vor Ort, insbesondere in der selbstverwalteten Region Rojava ist aber deutlich komplexer:

Viele Frauen schließen sich, obwohl durch eine konservative und patriarchalische Gesellschaft geprägt, dem Befreiungskampf gegen den IS an. Darüber hinaus mussten sie sich schon seit den 60er (in denen viele Männer ihre Familien verließen um in der Westtürkei oder Westeuropa Arbeit zu finden) und den 80er bzw. 90er Jahren (massive Unterdrückung seitens des türkischen Staates) allein um ihre Familien kümmern und sie versorgen.

Die Frauenbewegungen in Nordsyrien orientieren sich zu einem beträchtlichen Teil an der kurdischen Frauenbewegung.

Im November 2014 wurde in Rojava ein Gesetz beschlossen, welches Männer und Frauen gleichstellt. Danach erhalten Männer und Frauen die gleiche Bezahlung und die gleichen Arbeitsbedingungen. Alle wichtigen Posten werden mit einem Mann und einer Frau besetzt (Ko-Vorsitzende) und in allen weiteren Bereichen wurde eine 40%ige Geschlechterquote festgelegt. Zudem dürfen Frauen erst ab 18 heiraten und nicht gegen ihren Willen verheiratet werden. Polygamie und auch Ehrenmorde sowie jegliche Gewalt und Diskriminierung von Frauen ist dort verboten. Diese Schritte zeigen, wie ernst es die Region mit einer Verbesserung ihrer derzeitigen Situation meint.

Die Revolution in der Region Rojava steht für den fortgeschrittenen Kampf für Freiheit und Demokratie in der Welt. Die Region bietet nicht nur eine beispielhafte Perspektive für Männer und Frauen weltweit, sondern ist ebenfalls Rückzugsort für religiöse Minderheiten. Damit trägt sie aktiv zur Entwicklung von Frieden, Freiheit und Demokratie bei.

Deutschland hat an dem Konflikt, durch Waffenexporte an den NATO-Partner Türkei, eine besondere Verantwortung, die von Krieg und Flüchtlingsbewegungen so hart getroffene Region zu unterstützen.

Eine Partnerschaft mit der Stadt Kobanê/Rojava, die durch diese Auseinandersetzung besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, bietet daher die Möglichkeit hier vor Ort, für die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Herford einen erweiterten Blickwinkel über die dortige gesellschaftliche Situation zu schaffen.

http://frankfurt-kobane.com/wp-content/uploads/2019/07/Partnerschaft-mit-Rojava-in-Syrien-und-dem-Kreis-Herford-2019.pdf