Wieder-Eröffnung der Druckerei: Leerstand beendet – die Druckerei lebt!

Wieder-Eröffnung der Druckerei: Leerstand beendet – die Druckerei lebt!

Die Dondorf Druckerei hat ihre Tore wieder geöffnet. Das Kollektiv Die Druckerei hat erneut das Gelände besetzt, um es als nicht-kommerzielles und selbstverwaltetes Kultur- und Bildungszentrum der Stadtgesellschaft und ihren Besucher*innen zugänglich zu machen.

Die Dondorf Druckerei dürfte seit dem Sommer 2023 vielen ein Begriff geworden sein. Wir besetzten das zuletzt von der Goethe-Universität genutzte, über einhundert Jahre alte Gebäude, welches trotz des großen Widerstands der Bockenheimer Zivilgesellschaft abgerissen werden sollte, um dort einen Neubau für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik zu errichten.

Widerstand gab es, weil ein Abriss und Neubau vermeidbare CO₂-Emissionen mit sich bringen würde. Außerdem sind bereits viele Ressourcen in das Gebäude geflossen, die im Sinne einer nachhaltigen Baupolitik, wie sie die Architects for Future fordern, weiter genutzt werden sollten. Denn die Klimakrise zeigt bereits auf der ganzen Welt ihr Gesicht und lässt klar erkennbar werden, dass jetzt Veränderungen implementiert werden müssen.

Widerstand formierte sich, weil das Gebäude einen Teil jüdischer Geschichte in Frankfurt abbildet. In dem Gebäude befand sich die Druckerei der jüdischen Familie Dondorf, die, nachdem sie ihre Druckerei verkaufen musste, von den Nazis verfolgt und teilweise ermordet wurde. Ein Abriss würde die historische Bedeutung des Gebäudes und die Erinnerung an jüdisches Leben während der NS-Zeit zerstören. Eine historische Aufarbeitung wie sie die Initiative Dondorf-Druckerei geleistet hat, hätte kaum Platz und Relevanz in einem Neubau der Max-Planck-Gesellschaft.

Widerstand kam auf, weil in Frankfurt, wo wachsende Verdrängung und steigende Wohnungslosigkeit auf der Tagesordnung stehen, Leerstand keine Option sein darf. Viele Initiativen kämpfen seit Jahren für mehr freie und nicht-kommerzielle Räume, die mit Kunst, Erinnerungskultur, und politischem Engagement gefüllt werden können. Ein Gebäude ungenutzt stehen zu lassen, um es dann abreißen zu wollen, ist eine Farce.

Damals wie heute kämpfen wir, gemeinsam mit der Initiative des Kulturcampus, für offeneRäume für Kultur, Politik und eigenmächtige Gestaltung auf dem Campus Bockenheim.

Mit dem MPIEÄ würde ein akademisches Prestige-Projekt nach Bockenheim ziehen, welches eine kulturelle Elite anzieht und keinen Raum für selbstorganisierte Kultur bietet. Die Verdrängung und Gentrifizierung wird damit vorangetrieben. Mit uns hingegen gewinnt der Stadtteil einen offenen Raum, der von den Bockenheimer*innen selbst gestaltet werden kann und somit bedarfsgerecht funktioniert.

Im Juni konnten wir die Türen der Dondorf Druckerei für kurze Zeit öffnen. Jeden Tag sind junge und alte Menschen aus Bockenheim und ganz Frankfurt ein- und ausgegangen, haben gesungen, getanzt, diskutiert, gelernt, gestaltet – den Raum so genutzt, wie sie ihn brauchen. Doch am 12. Juli ließ die Goethe-Universität Frankfurt das Gelände räumen. Seitdem, also seit fast 5 Monaten steht das Gebäude leer. Und das, obwohl wir in den Wochen, in denen die Druckerei geöffnet war, gezeigt haben, dass wir und andere Initiativen, Gruppen und Nachbar*innen, dieses Gebäude mit neuem Leben füllen können. Es ist deutlich geworden: Der Bedarf an nicht-kommerziellen Räumen ist und bleibt hoch. Ebenso können wir mit unserem Nutzungskonzept darstellen, dass wir das Gebäude direkt nutzen und den Leerstand beenden können. Doch stattdessen soll das Gebäude leerstehend bleiben, bis der Prozess mit der Max-Planck-Gesellschaft zu einer Lösung kommt – wann auch immer diese sein mag. Allein in dieser Zeit kann das Gebäude von uns sinnvoll genutzt werden.

Der Diskurs um den Erhalt des Gebäudes wurde zwar neu entflammt, doch wir oder andere Menschen aus dem Stadtteil können wie auch schon zuvor nicht an folgenschweren Diskussionen um die Dondorf Druckerei teilnehmen. Denn bereits im Vorhinein gab es keine transparente Kommunikation des Landes Hessen oder der Max-Planck-Gesellschaft über die Abrisspläne. Erst als der lokale Ortsbeirat diese einforderte, stellte die MPG seine Pläne dort vor. Doch das Gutachten, welches den Abriss für nötig erklärte, ist bis heute nicht öffentlich zugänglich. Die Forderung nach Mitbestimmung bei der Gestaltung des Stadtteils wird sowohl vom MPI als auch vom Land Hessen und Universität ignoriert. Wir möchten mit am Tisch sitzen, wenn es um die Zukunft der Stadt geht. Doch zeitgleich nehmen wir die Dinge selbst in die Hand und gestalten den Stadtteil mit seinen Bewohner*innen aktiv selbst. Deswegen öffnen wir heute erneut die Tore der Druckerei für alle. Kommt vorbei und werdet Teil der Druckerei!

Wir kämpfen weiterhin für den Erhalt des Gebäudes und die Nutzung als kulturelles Zentrum für die Stadtgesellschaft – Für eine Stadt von allen für alle!

Pressemitteilung 9.12.2023