Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 136: "Multiple Krise"

erstellt von Zeitschrift Marxistische Erneuerung — zuletzt geändert 2023-11-22T11:34:31+01:00
Der Begriff »Multiple Krise« – andere sprechen von »Vielfach-« oder »Polykrise« – erlebt seit einiger Zeit große Konjunktur und ist inzwischen festes Vokabular nahezu im gesamten politischen Spektrum. Daher könnte er auf den ersten Blick für substanzielle Analysen gegenwärtiger Krisenerscheinungen als unbrauchbar erscheinen.

Dominik Feldmann fasst dem gegenüber die multiple Krise als Gesamtheit von Krisenphänomenen, die auf eine große Krisenperiode im Kapitalismus hindeuten, und fragt nach dem inneren Zusammenhang und der Dynamik der Krisenerscheinungen in Ökonomie, Politik und in den gesellschaftlichen Natur-Verhältnissen.

Michael Schwan analysiert die aktuellen wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der USA und Deutschlands. Hauptmerkmal sei eine Stärkung der wirtschaftlichen Rolle des Staates, allerdings eher im Sinne eines »de-risking« zugunsten des Privatkapitals.

Einen theoriegeschichtlichen Zugang zur Analyse großer Krisen liefert Rolf Czeskleba-Dupont mit Bezug u.a. auf Jánossy, Kondratieff, Wallerstein und Jason Moores Analyse der »kapitalogenen Klimakrise« sowie Tjadens Überlegungen zu einer arbeitsorientierten Reproduktionsstrategie.

Judith Dellheim zeigt in ihrem Beitrag, in welchem Ausmaß in der Bundesrepublik organisierte Kapitalvertretungen wie der BDI den wirtschaftspolitischen Kurs maßgeblich (mit)bestimmen.

Lena Reichardt kritisiert, dass »systemrelevante« – meist von Frauen und von migrantischen Arbeitskräften verrichteten – Tätigkeiten den kapitalistischen Produktionsinteressen untergeordnet sind.

John Bellamy Foster begründet die Notwendigkeit eines
Degrowth-Postwachstums zur Eindämmung der globalen Umweltkrisen.

Sebastian Friedrich zeichnet Vorlauf und Aufstieg der AfD im Zuge der Finanzmarkt- und Euro-Krise nach.

Frank Deppe nimmt das Stichwort der »großen Krise« auf, wobei er betont, dass die ökomischen Krisenprozesse heute durch die Veränderungen der globalen Kräfteverhältnisse (von Klassen und Staaten) und die Auseinandersetzung um die neue Weltordnung überdeterminiert werden.

Z 136 (Dezember 2023), 232 Seiten. Einzelheftbezug 10 Euro
Abonnement (auch rückwirkend): 35 Euro, vier Hefte (ermäßigt: 28,- Euro)
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Pressemitteilung 21.11.2023