Independent Filmfest im Exzess

erstellt von Indie Cine — zuletzt geändert: 2019-10-11T18:33:36+00:00
Filmfest vom 25. bis 27. Oktober 2019. Am Samstag: „Sound of Silence“, „Gestapo-Swing“ und Reeperbahner*Innen.
  • Wann 26.10.2019 ab 18:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo ExZess, Leipziger Str. 91
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18 Uhr: „Sound of Silence“
Ein Special zu Filmscores von Enrico Corsano mit
> „Interstellar Overdrive“, Video 8 Min
Verschiedene Musiker und Musikerinnen covern die Musik von Hans Zimmer aus dem Film „Interstellar“ mit großer Leidenschaft und auf ganz eigene Weise.
> Silent Running Between Shadows
Mystery Stummfilm mit Livevertonung
> EM90, 9 Min.
ein Film- und Musikspecial zu Ennio Morricones 90. Geburtstag
> Cinemania
eine musikalische Achterbahnfahrt durch die Filmgeschichte. Soundtracks von Kultfilmen live vorgetragen und zum mitmachen.

20 Uhr: „Gestapo-Swing“
Dauer: 80 Minuten - Format 16:9 Stereo
Film mit Lesung und Diskussion über die Swing-Jugend - Opposition unter den Nazis. Gelesen wird aus der Gestapo-Akte über die Frankfurter Swing-Jugendlichen – von denen Emil Mangelsdorf heute noch Musik macht. Auch Sankt Paulianer Peter Petersen spielte damals Swing und erzählt mit Peggy Parnass seine Geschichte.
Motivation der Filmemacher:
Beim Methfesselfest 2019 wurde die Vorführung des Films "Sankt Paulis Starke Frauen" im Kulturzelt in Eimsbüttel von zwei noch nicht identifizierten Neonazis angegriffen - sie rüttelten am Zelt und pöbelten rum. Durch unsere sofortige Intervention konnten sie vertrieben werden. Dies brachte uns auf den Plan dies neue Projekt schneller anzulegen als gedacht. Wir haben Interviews zum Thema Swing-Jugend gedreht und haben eine Gestapo-Akte zugespielt bekommen, die dazu gelesen wird, sodaß sich ein 80-minütiges Programm ergibt. Sicher ist das vor allem was für Schulklassen – die Interview-Partner gingen noch bis vor kurzem in den Schulunterricht und diskutierten. Nun sind sie zu alt und wünschen sich, daß die Arbeit mitd em Video und der Gestapo-Akte die Lücke schliessen möge.
Nach dem Video wird die Akte groß auf die Leinwand geworfen und Seite für Seite gelesen. Die Gestapo-Akte aus dem Jahr 1944 ist ein Dokument, das viele neue Informationen über die Swing-Jugendlichen liefert – vor allem wird der hohe Anteil an Frauen in der Bewegung deutlich die sich strakt von den Nazis distanzierte – kriminalisiert, verhaftet und gefoltert wurde – manche verschwanden bis Kriegsende sogar im KZ.
"Gestapo Swing" ist eine Live-Lesung aus der Gestapo-Akte über die Swing-Jugend gelesen von mehreren Stimmen mit Diskussion und Video-Einspielungen. Gezeigt werden neue Zeitzeugen-Interviews von Rasmus Gerlach.
Interview 1: Peter Petersen wuchs in der Nazi-Zeit in einem Zigaretten-Kiosk auf Hamburg Sankt Pauli auf und geriet durch sein Interesse für Swing-Musik in ein Umfeld von unangepassten Swing-Jugendlichen - wurde verhaftet und an die Front geschickt - ein Schicksal, das ihn mit dem Frankfurter Emil Mangelsdorf, verbindet.
Interview 2: Emil Mangelsdorf spielt die Hymne der Swing-Boys auf seinem alten Saxophon und berichtet vom Überwachungswahn und der Repression bei den Nazis. Auch er wurde brutal in den Kriegsdienst gezwungen. Peter Petersen desertierte und versteckte sich im Kiosk an der Reeperbahn und spielte heimlich weiter Swing-Musik - Emil Mangelsdorf machte später eine Karriere mit Jazz & Swing-Musik zusammen mit seinem berühmten Bruder. Die Akte erwähnt ihn als Randfigur - heute ist er einer der letzten Überlebenden. Die Gestapo-Akte ist ein perfides Dokument - selbst die Zimmer der Swing-Jugendlichen fotografierte die Geheimpolizei – observierte bis in die Betten...

22 Uhr: Sankt Paulis starke Frauen - Reeperbahner*Innen
mit den Liverbirds - der ersten und ältesten Frauen-Rockband Sankt Paulis und der Welt.
Dokumentarfilm von Rasmus Gerlach, Deutschland 2019, 84 Min., dt. OF
Das besondere Flair von St. Pauli hat immer viele spannende Frauen angelockt, die als Wirtinnen, Musikerinnen oder auch Nonne ihren Kiez maßgeblich mitgestalten. Die Spannbreite der wunderbaren Frauen, die Ras­mus Gerlach für sein ungewöhnliches St. Pauli­-Por­trät getroffen hat, reicht von Burlesque-­Performerin Eve Champagne über die legendäre Kneipenwirtin Rosi von Rosis Bar und ihr junges Gegenstück Betty Kup­sa, über Hotelchefin Rikka von der Kogge bis hin zu Franca, Chefin des 1905 von ihrer Familie gegründeten, legendären Italieners Cuneo in der Davidstraße.
Sie sind waschechte Reeperbahner*innen und haben ein liebevoll ab­geklärtes Verhältnis zum bunten Treiben rings um sie herum. Wie auch die Musikerinnen der Liverbirds, die in den 60er­Jahren nach Hamburg kamen und nie wie­der fort gingen ... obwohl Bassistin Mary Dostal eigent­lich Nonne werden wollte. Die Liverbirds waren die erste Frauen-Rockband Sankt Paulis und der Welt. Initiiert durch den Film tretem sie inzwischen wieder auf. Gemeinsam mit Bernadette La Hengst liefern sie den Soundtrack für den Film. Und natürlich darf eine echte Nonne nicht fehlen, das St. Pauli-Kloster ist nur einen Eckball vom Stadion entfernt.